Stand: 20.07.2020 18:30 Uhr

Kieler Tiefseeroboter entdeckt "Klare Raucher"

Der Tiefseeroboter des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel hat vor Island erste Bilder von bisher unbekannten heißen Quellen am Meeresboden geliefert. Die Aufnahmen zeigen natürliche Schlote am Meeresboden, sogenannte "Klare Raucher". Der Tauchroboter ist zurzeit mit Wissenschaftlern auf dem Forschungsschiff "Sonne" vor Island auf Expedition.

VIDEO: Tauchroboter liefert spektakuläre Bilder aus Island (1 Min)

Aus den Schloten steigt Flüssigkeit auf, die in 1.000 Metern Tiefe meist sehr dunkel ist und den Schloten daher den Namen "Schwarze Raucher" eingebracht hat. Doch inzwischen kennt die Wissenschaft auch "Weiße" oder "Klare Raucher". Das hängt davon ab, welche Zusammensetzung die Flüssigkeit dieser Hydrothermalsysteme hat, wie die "Raucher" fachsprachlich genannt werden.

Hydrothermalquellen als Ursprung des Lebens?

Die Bilder des Kieler Tiefseeroboters entstanden in 650 Metern Tiefe auf dem sogenannten Reykjanes-Rücken, einem untermeerischen Gebirgszug. An Stellen wie dieser ist der Meeresboden noch jung und porös. Das Meereswasser kann tief in das Gestein einsickern und trifft dort auf Magma. Das Wasser wird stark erhitzt und steigt wieder auf. Dabei wäscht es viele Mineralien aus dem umgebenden Gestein. Tritt das Wasser dann wieder aus dem Meeresboden aus und kommt dann wieder in Kontakt mit dem nur drei bis vier Grad kalten Meerwasser, werden diese Mineralien freigesetzt. "So bilden sich die dunklen Schwaden, die den Rauchern ihren Namen gegeben haben", erklärt der Geologe Friedrich Abegg, Leiter des Geomar-Teams. Weil Hydrothermalquellen die Basis für vielfältige Ökosysteme liefern, gibt es unter Wissenschaftlern sogar Theorien, dass ähnlich heiße Quellen der Ursprung des Lebens auf der Erde gewesen sein könnten.

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NDR Blue | Schleswig-Holstein Magazin | 20.07.2020 | 19:30 Uhr

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