Stand: 03.02.2020 21:09 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Kiel und Lübeck: UKSH-Mitarbeiter im Warnstreik

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Am UKSH-Standort in Lübeck legten laut ver.di am Montagmorgen knapp 200 Beschäftigte ihre Arbeit nieder.

Unter dem Motto "Wir sind es wert" sind in Kiel und Lübeck am Montag mehrere Hundert Beschäftigte des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in den Warnstreik getreten. Dazu aufgerufen hatte die Gewerkschaft ver.di. Sie verlangt, dass die Klinik Hunderte neue Mitarbeiter einstellt, damit die Pflegekräfte an den beiden Standorten entlastet werden.

Die Gespräche zwischen ver.di und der UKSH-Leitung über bessere Arbeitsbedingungen stocken offenbar. Fünf Runden hat es bislang gegeben - alle gingen ohne Ergebnis zu Ende. Die Geduld sei aufgebraucht, sagte ver.di-Verhandlungsführer Steffen Kühhirt. Er sprach von knapp 350 Warnstreikteilnehmern aus der Frühschicht in Lübeck und 250 in Kiel. UKSH-Sprecher Oliver Grieve dagegen bezifferte am späten Vormittag die Gesamtzahl der streikenden Mitarbeiter auf etwa 300.

Streikende Mitarbeiter machen Ausnahme für Schwangere

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In Kiel wurden alle Bereiche bestreikt, nur Notfälle seien behandelt worden - bei einer Schwangeren machten die Streikenden aber eine Ausnahme.

Laut ver.di betraf die Arbeitsniederlegung alle Bereiche. Es habe nur Notoperationen gegeben. Als eine schwangere Frau ins UKSH kam, um - wie mit Ärzten vorab vereinbart - per Kaiserschnitt zu gebären, machten die Streikenden der Geburtshilfestation nach eigenen Informationen in Absprache mit der Streikleitung eine Ausnahme. In diesem Fall handelte es sich bei dem Kaiserschnitt um keinen Notfall.

Laut UKSH sind so viele Patienten wie möglich telefonisch darüber informiert worden, dass ihre zugesagten Termine eventuell verschoben werden müssen. Von ihrem Streikaufruf hatte die Gewerkschaft nur die stationären Kinderbetten und die geschlossenen Bereiche am Zentrum für integrative Psychiatrie ausgenommen.

Streit über Besetzungen des Notdienstes

"Das ist insgesamt keine ganz leichte Situation", sagte UKSH-Sprecher Grieve. Es gebe Notdienstbesetzungen, aber ver.di schicke weniger Personal als vereinbart. Es gebe keine geeinten Personalzahlen, sagte dagegen Streikleiter Kühhirt. Das UKSH habe Gespräche darüber einseitig verlassen. "Wir haben großes Interesse an einem geregelten Notdienst", betonte Kühhirt.

Mehr Mitarbeiter? Ver.di und Klinik liegen weit auseinander

Laut UKSH sind im Klinikum insgesamt rund 3.300 Pflegekräfte beschäftigt. Die sechste Verhandlungsrunde in dem Tarifstreit am Klinikum ist für diesen Donnerstag und nächsten Montag angesetzt. Ver.di hat in den Mittelpunkt die Forderung nach deutlich mehr Pflegepersonal gestellt. Die Mitarbeiter seien völlig überlastet. Das Klinikum hat bisher angeboten, 182 zusätzliche Mitarbeiter einzustellen. Aus ver.di-Sicht werden 420 Mitarbeiter mehr benötigt, um eine angemessene Pflege zu gewährleisten.

Für Dienstag sind auch Ärzte zum Warnstreik aufgerufen

"Wir haben den Druck spürbar erhöht", sagte ver.di-Mann Kühhirt: "Wenn der Vorstand weiter alles blockiert, wird es weitere Aktionen geben." Am Dienstag wird der Warnstreik fortgesetzt. Das war ohnehin schon geplant. Hinzu kommt dann der Warnstreikaufruf der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, die etwa 1.600 UKSH-Ärzte zu einer eintägigen Arbeitsniederlegung aufgerufen hat.

Bei den Ärzten geht es ebenfalls um Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und nach mehr Geld. Anlass ist die Fortsetzung der Tarifverhandlungen mit der Tarifgemeinschaft der Länder. Der Marburger Bund verlangt, die Arbeitsbelastung der Ärzte deutlich zu senken.

Uniklinikum: Es gibt keine konkrete Forderung von ver.di

Von der Ankündigung des Warnstreiks war das UKSH nach eigenen Angaben überrascht worden. Sprecher Grieve nannte die ersten Runden mit ver.di "Sondierungsgespräche", die "konstruktiv" verlaufen seien. Von Tarifverhandlungen wollte Grieve anders als ver.di nicht sprechen. Es gebe keine konkrete Forderung, so Grieve. Das UKSH habe der Gewerkschaft bislang geduldig geholfen, "unsystematisch vorgetragene Personalwünsche zu strukturieren" und auch Ideen für eine Entlastung zu entwickeln, meinte Grieve.


03.02.2020 19:34 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hatten wir geschrieben, dass für eine Geburt Mitarbeiter des UKSH den Streik unterbrochen haben. Wir haben es konkretisiert - der Termin war vorab vereinbart und die Geburt wurde trotz Arbeitsniederlegung durchgeführt, obwohl es kein Notfall war.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 03.02.2020 | 12:00 Uhr

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