Chinesischer Muntjak, am Waldboden © IMAGO / blickwinkel

Chinesische Muntjaks in SH könnten zum Problem werden

Stand: 05.03.2021 05:00 Uhr

Im Kreis Rendsburg-Eckernförde wird seit etwa einem Jahr immer wieder eine invasive Art gesichtet: Sogenannte Muntjaks machen sich breit und könnten bald zum Problem werden.

von Sabrina Santoro

Sie sind nur etwa 50 Zentimeter groß, haben braunes Fell, dunkle Knopfaugen: Muntjaks sind eine chinesische Hirschart und in Deutschland nicht heimisch. Seit März 2020 wurden immer häufiger Tiere dieser Art in Kosel im Kreis Rendsburg-Eckernförde gesichtet. Sie gelten in ganz Europa als invasive Art und stellen damit ein Problem für heimische Hirscharten dar, denn sie verdrängen die hier lebenden Tiere.

Naturschützer zählen den Muntjak zu den Neobiota - also Neubürgern. Das sind alle gebietsfremden Tier- und Pflanzenarten, die von Natur aus nicht in Deutschland vorkommen, sondern ab dem Jahr 1492 durch
Menschen eingeführt wurden, heißt es beim Bundesamt für Naturschutz.

Muntjaks vermutlich ausgesetzt

Wie die Hegegemeinschaft schätzt, leben in Kosel und Umgebung aktuell etwa sechs Tiere in freier Wildbahn. "Weil sich die Muntjaks ganzjährig vermehren, könnte aber eine Population zwischen 10 und 15 Tieren schon kritisch werden", erklärt Holger Andersch, der örtliche Hegeringleiter und Jäger. Wie die Hirschart dort hin kam, kann das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) nicht erklären. Die Vermutung liege nahe, dass jemand sie bewusst ausgesetzt hat, erklärt Andersch. Die örtlichen Jäger sind nun angehalten, die Tiere zu entnehmen. Eine entsprechende Anordnung erteilte das Umweltministerium bereits.

Bedrohung für heimische Arten

Im Gegensatz zu den heimischen Artverwandten vermehren sich Muntjaks das ganze Jahr über, folgen also nicht den klassischen Brut- und Setzzeiten. Weil der Nachwuchs schon sehr schnell geschlechtsreif ist, kann die Population folglich rapide steigen. Weil sie außerdem überaus gefräßig sind, nehmen sie anderen Tieren die Nahrungsquelle. Zu dem recht großen Wildbestand in Schleswig-Holstein kämen die Muntjaks noch oben drauf und würden so auch ein Problem für die Landwirtschaft, erklärt Andersch weiter. Eine Verbreitung sollte deshalb in jedem Fall schnell unterbunden werden, rät der Jäger.

Weitere Informationen
Waschbär läuft auf einem Ast entlang. © picture alliance / ZB Foto: Patrick Pleul

Waschbär macht sich in Schleswig-Holstein breit

Der Landesjagdverband nimmt eine starke Ausbreitung von Süden her wahr und sieht eine Gefahr für heimische Tiere. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.03.2021 | 08:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Flaggen von Dänemark und Deutschland wehen im Wind © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder

Corona: Dänemark lockert Einreisebestimmungen

Schleswig-Holsteiner dürfen wieder ohne triftigen Grund nach Dänemark einreisen. Urlaub ist in dem Land aber weiter kaum möglich. mehr

Videos