Illegaler Welpenhandel: Wenn der Hundekauf zum Albtraum wird

Stand: 25.10.2020 06:00 Uhr

Tierschützerinnen und Tierschützer im Norden warnen vor leichtfertigen Welpenkäufen. Laut Tierschutzverbänden gibt es viele Hunde, die krank und illegal verkauft werden.

von Helge Albrecht

Anne K. aus dem Kreis Stormarn zeigt einen kleinen braunen Welpen auf ihrem Smartphone. Die Aufnahme hat sie in ihrem Garten gemacht. Der Hund liegt in einem Körbchen aus Filz, hat die Augen geschlossen. Das war im August, da lebte er noch. "Wir wollten einen zweiten Hund haben und hatten im Internet geschaut. Da waren ganz viele Annoncen. Der Hund gefiel uns vom Bild her." Anne K. kontaktiert die Verkäuferin über ein Online-Portal und macht einen Termin aus. Gemeinsam mit ihrer Tochter fährt sie zum vereinbarten Treffpunkt nach Norderstedt im Kreis Segeberg.

"Haben uns keine weiteren Gedanken gemacht"

Auf dem Weg dorthin bekommt Anne K. einen Anruf. Es spricht allerdings nicht die Frau, mit der sie vorher Kontakt hatte, sondern ein Mann. Dieser sagt, seine Freundin müsse arbeiten und könne nicht dabei sein, außerdem sollte sie draußen an einer Straßenecke warten. Eine genaue Adresse nennt er nicht. "Wir hatten gehofft, dass wir die Eltern von dem kleinen Hund auch sehen. Aber der Mann meinte aufgrund von Corona müssten wir die Übergabe draußen machen. In der momentanen Situation leuchtet das ja auch ein. Und dann haben wir uns keine weiteren Gedanken gemacht", erzählt Anne K.

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Polizei beschlagnahmt Hund

Sie kauft den Welpen für 730 Euro und fährt zu sich nach Hause. Dort duscht sie den Hund und lässt ihn in den Garten, doch schon nach einer Stunde bekommt sie einen Anruf von der Polizei. Sie solle zur Polizeiwache nach Norderstedt fahren und den Hund abgeben, er sei beschlagnahmt worden, schildert sie das Gespräch mit dem Beamten. "Da fiel mir erst mal nichts mehr ein." Auf der Polizeiwache untersucht ein Veterinär den Welpen - die Diagnose: Der Hund ist nicht geimpft, nicht gechipt und an Parvorvirose erkrankt - einer Viruserkrankung, die die Organe schädigt und häufig tödlich endet. Der Hund kommt in eine Tierklinik, danach ins Tierheim Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg). Doch sein Zustand verschlechtert sich. Obwohl der Welpe sofort behandelt wird, stirbt er nach wenigen Tagen. Er wird keine zehn Wochen alt.

Fingierte Käufe gegen unseriöse Händler

Katja Vogel kennt einige dieser Geschichten. Im Tierheim Henstedt-Ulzburg landen immer häufiger Welpen aus illegalem Handel. Die Tierheimleiterin ist aktiv im Kampf gegen die Welpenhändler. Gemeinsam mit dem Hundekontrolldienst versucht sie, Welpen von unseriösen Händlern zu befreien. Dabei gibt Katja Vogel sich als interessierte Hundekäuferin aus, meldet sich auf Angebote im Internet und verabredet sich zum Kauf. Bei der Übergabe schreiten die Polizei und der Hundekontrolldienst ein. Sie stellen die Welpen sicher und versuchen, den Verkäufer zu überführen. So haben sie auch herausgefunden, dass Anne K. Opfer eines Betrugs geworden ist. Bei einem fingierten Kauf fanden die Behörden ihre Telefonnummer auf einem Zettel im Auto des Verkäufers. Tierheimleiterin Katja Vogel sagt, die Händler würden häufig mehrere Welpen an einem Tag verkaufen.

Süße Bilder, hohe Preise

Dass immer wieder Leute auf die Anzeigen reinfallen, liege auch an der Gestaltung der Texte, erzählt Katja Vogel. "Die sind richtig gut geschrieben. Und klar: Die Fotos sind süß. Das sind bezaubernde Tiere - und sie haben einen gewissen Preis. Die werden nicht für 50 Euro verschenkt, die kosten 800 bis 1.000 Euro", sagt Katja Vogel. Das würden viele auch als Qualitätsmerkmal verstehen.

Unter unwürdigen Bedingungen gehalten

Die meisten Welpen kommen laut Katja Vogel aus Osteuropa. Dort würden sie auf engstem Raum gehalten, nicht geimpft und viel zu früh von der Mutter getrennt werden - nur produziert für den deutschen Markt. "Die Welpen kommen hier an mit fünf, sechs Wochen und sind krank. Und ich nehme mal an, dass einige auf dem Transport schon sterben. Wer dann hier ankommt, wird schnell geduscht, gefönt, bei Ebay reingesetzt und verkauft - und dann sterben sie halt dann."

Tipp: Auf Herkunft der Tiere achten

Beim Welpenkauf sollten Interessierte daher genau prüfen, unter welchen Bedingungen das Tier aufgewachsen ist und ob der Verkäufer sich für das neue zu Hause interessiert. "Das ist komisch, wenn es heißt, den kriegst du jetzt gleich mit. Kein Züchter, kein seriöser Verkäufer würde den Hund gleich mitgeben", betont sie. "Die Leute sollen drüber schlafen. Und wenn dann Bargeld auf irgendeinem Parkplatz oder Hinterhof fließt, dann müsste einem das schon klar sein, dass das nicht so in Ordnung ist."

Verdacht melden

Hat der Käufer bei einem Kauf das Gefühl, dass es dem Tier schlecht geht soll man es nicht kaufen, sondern sich bei einem Tierheim oder der Polizei melden, wie Katja Vogel rät. "Viele haben das Gefühl, sie können einen kranken Welpen retten, wenn sie ihn kaufen, aber das können sie nicht."

So wie Anne K. Sie hatte ihren Welpen nur ein paar Stunden. "Es ist grausam. So ein kleines Würmchen, da möchte man irgendwie helfen. Ich hätte nicht gedacht, dass einem selber so etwas passiert."

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Schleswig-Holstein Magazin | 25.10.2020 | 19:30 Uhr

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