Stand: 17.04.2018 14:18 Uhr

IBG-Pleite: Verteidigung will geringere Strafen

Bundesweit rund 2.400 Gläubiger und Verbindlichkeiten in Höhe von 120 Millionen Euro - die Insolvenz des Hausanbieters IBG aus Büdelsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) war eine der größten in der Baubranche. Zwei ehemalige Geschäftsführer und ein Steuerberater müssen sich seit Oktober vergangenen Jahres vor dem Kieler Landgericht verantworten. Es geht um Steuerhinterziehung in Millionenhöhe sowie gewerbs- und bandenmäßige Untreue. Am Montag hatte die Staatsanwaltschaft ihre Plädoyers gehalten und mehrjährige Haftstrafen gefodert. Die Verteidiger kritisierten die Strafanträge am Dienstag als "viel zu hoch".

Verteidigung: "Strafanträge realitätsfern"

Konkret hatte die Staatsanwaltschaft für einen der Geschäftsführer auf eine Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten, für den anderen auf vier Jahre und drei Monate plädiert. Für den bereits zweimal wegen Steuerhinterziehung verurteilten Steuerberater will sie fünf Jahre und zehn Monate Haft. Die Strafe soll deshalb so hoch ausfallen, weil der Mann einschlägig vorbestraft ist. "Die Strafanträge sind völlig überhöht und realitätsfern," erklärten die Anwälte der Angeklagten vor dem Kieler Landgericht. Sie plädierten für die beiden Geschäftsführer auf Strafen von zweieinhalb Jahren Haft beziehungsweise "deutlich unter drei Jahren". Für den Steuerberater stellten sie keinen konkreten Strafantrag.

Neun Millionen Euro hinterzogen?

Den Männern wird vorgeworfen, knapp neun Millionen Euro Umsatzsteuern nicht an das Finanzamt überwiesen zu haben. Das haben sie in Teilen bereits gestanden. So sollen sie die Liquidität der in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Firma aufrecht erhalten haben, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Ein Urteil wird am kommenden Montag erwartet.

Elf Anklagen gegen Beschuldigte

Einer der beiden Ex-Geschäftsführer soll sich mit dem Steuerberater auch der gewerbsmäßigen Untreue beziehungsweise der Beihilfe dazu schuldig gemacht haben. Mit dem Verkauf von Scheinversicherungen für Bauherren hätten sie einen Schaden von zwei Millionen Euro angerichtet, so die Staatsanwaltschaft. In insgesamt elf Anklagen hatte die Staatsanwaltschaft zu Prozessbeginn rund 100 Fälle aufgelistet, die sich zwischen 2008 und 2012 zugetragen haben sollen.

Im November 2012 hatte der Fertighausanbieter Insolvenz angemeldet. Damals saßen die drei Angeklagten bereits mehrere Wochen in Untersuchungshaft.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.04.2018 | 14:00 Uhr

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