Stand: 17.03.2020 12:54 Uhr

Hotels schließen: "Fahren Sie schon heute"

von Sven Jachmann

Pfahlbauten am Strand in Sankt Peter-Ording im Sonnenuntergang. © imago images / Westend61
Die berühmten Pfahlbauten in St. Peter-Ording - vorerst werden sie keine Touristen mehr anziehen.

"Corona verliert, wir werden gewinnen." So geht Hoteldirektor Martin Wenzel vom Aalern Hues Hotel und Spa im nordfriesischen St. Peter-Ording mit der aktuellen Lage um. Bis Montag (16.3.) freute er sich über 54 Gäste in seinem Haus. Darunter war auch ein Gast, der noch am Wochenende gebucht hatte. Teilweise habe er auch Anfragen von Sylt-Urlaubern gehabt, die gern noch bei ihm verlängern wollten. Nach dem Beschluss der Landesregierung gegen die Ausbreitung des Coronavirus muss er jedoch alle nach Hause schicken. Ab Mittwoch (18.3.), 11 Uhr, ist das Hotel leer. Geschlossen. Dicht. Shutdown, wie es seit Corona heißt. "Wir haben unseren Gästen die Information weitergegeben und ihnen gesagt: Am besten wäre es, die Rückreise bereits heute anzutreten, schon allein wegen des Rückreise-Verkehrs." Die Gäste hätten Verständnis gezeigt, so sei das nun mal. "Sie haben uns gegenüber auch ihr Bedauern ausgedrückt und uns alles Gute gewünscht", sagt Wenzel.

Kostenlose Stornierungen

Bereits am vergangenen Donnerstag (12.3.), so der Hoteldirektor, seien die ersten Stornierungen reingekommen. Da sei eine Sensibilisierung zu spüren gewesen. "Mit heutigem Tage (17.3.) stornieren wir kostenfrei", sagt Wenzel. In den Tagen zuvor gab es zwei Modelle: Entweder die Gäste konnten kostenfrei umbuchen. Oder sie bekamen einen Gutschein - vorausgesetzt sie konnten abschätzen, ob und wann sie das nächste Mal kommen würden. Ansonsten stornierten Wenzels Mitarbeiter kostenfrei.

Zweite Winterpause für Beschäftigte

Ab Mittwoch beginne für seine Beschäftigten eine zweite Winterpause, so Wenzel. Im Januar war das Haus bereits einmal für zwei Wochen geschlossen. "Dann werden wir einen Antrag auf Kurzarbeit stellen." Einige Mitarbeiter sind allerdings systemrelevant. "Wie zum Beispiel Mitarbeiter aus der Technik oder auch der Gärtner. Sonst muss der Direktor noch selbst Unkraut jäten", lacht er. Ab kommendem Sonntag (22.3.) gehen die Mitarbeiter nach Hause. Am vergangenen Wochenende musste Wenzel bereits den Spa-Bereich schließen. Dann kamen die Einschränkungen im Restaurant dazu. "Das letzte Abendessen gibt es heute zwischen 17 und 18 Uhr."

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Campingplätze geschlossen

Ortswechsel. "Seien Sie versichert, wir bedauern die getroffenen Maßnahmen ebenso wie Sie. Aber es geht nun mal nicht anders." Montag früh musste Nake-Ibs Korupp ihren Campingplatz Olsdorf in St. Peter-Ording dicht machen. Sie informierte ihre Gäste. Rund 40 Urlauber waren auf ihrem Gelände. Einige von ihnen wollten über Ostern hinaus bleiben. Aber nach der Entwicklung der vergangenen Tage hatten sie schon mit einer Schließung gerechnet, erzählt sie. "Aber alle haben es positiv aufgenommen und wollen, so bald es geht, wieder kommen."

Manche hätten sich aber auch gewundert, denn ihre Gäste würden nicht so eng beieinander hocken, wie Korupp sagt. Es gab auch Urlauber, die waren gerade erst angekommmen. "Die wollten von zu Hause flüchten und mussten feststellen, dass es sie hier wieder einholt." Das Ostergeschäft ginge nun an ihr vorbei, "aber wir verhungern deswegen nicht". Ihre Mitarbeiter musste sie in Kurzarbeit schicken. Außerdem hofft die Campingplatzbetreiberin auf staatliche Unterstützung.

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Sorgen um Restaurants

St. Peter-Ording sei nach Sylt der stärkste Tourismusort in Schleswig-Holstein, sagt Constanze Höfinghoff, Leiterin der Tourismuszentrale St. Peter-Ording. Höfinghoff hat einen Krisenstab eingerichtet. Zwölf Mitarbeiter gehören dazu. Zweimal täglich kommen sie zusammen. Seit Sonntag ist die Touristen-Information geschlossen, außerdem das Kinderspielhaus und die Dünentherme. Sie macht sich Sorgen um die Restaurants im Ort. "Wir wissen nicht, wie die Restaurants überleben werden." Zumal alle Gäste jetzt nach Hause müssen.

Klassenreisen fallen aus

Neben den Touristen sind auch Schulkinder betroffen - und das nicht nur in St. Peter-Ording. Klassenreisen fallen aus. Katharina Pauly vom Landesverband Nordmark der Deutschen Jugendherbergen (DJH) kommt mit den Stornierungen kaum noch hinterher, erzählt sie. "41.000 Übernachtungen in den Jugendherbergen fallen aus. Täglich werden es mehr."

Die Campingplätze von Nake-Ibs Korupp bleiben vorerst bis zum 19. April geschlossen, wie lange das Hotel von Martin Wenzel geschlossen bleibt, ist noch offen. Wenzel wartet noch auf eine "klare Aussage der Landesregierung." Die Frage, die sich beide Betreiber im selben Wortlaut stellen: "Wie geht es danach weiter?"

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.03.2020 | 12:00 Uhr

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