Stand: 29.04.2019 17:48 Uhr

Größtes deutsches Cannabislager entsteht in SH

Seit März 2017 können Patienten Cannabis auf Rezept erhalten. Zum Einsatz kommt es zum Beispiel in der Schmerztherapie und bei chronischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose. Dafür hat die Bundesregierung auch die ersten Anbau-Lizenzen vergeben. Künftig dürfen zwei Firmen in Deutschland für medizinische Zwecke mehrere Tonnen Cannabis anbauen, darunter auch ein Unternehmen aus Schleswig-Holstein: Die Firma Aphria Deutschland GmbH aus Bad Bramstedt (Kreis Segeberg) hat den Zuschlag bekommen, Cannabis anzubauen. Außerdem wird sie auch Blüten importieren. Dafür baut die Firma Nuuvera Deutschland GmbH - eine hundertprozentige Tochterfirma des kanadischen Unternehmens Aphria - zurzeit zwei Lagerhallen - eine in Neumünster und eine in Bad Bramstedt.

Größtes Cannabislager in Deutschland

In Bad Bramstedt entsteht ein Hochsicherheitstrakt. Er wird das Lager für importiertes Cannabis aus Dänemark und Kanada. Es ist ein unscheinbarer Bau aus den 1980-er Jahren, der in eines der größten Cannabislager Deutschlands verwandelt wird. Die Sicherheitsanforderungen dafür sind hoch: So müssen zum Beispiel alle Wände aus Stahlbeton sein. Außerdem wurden überall schusssichere Fenster eingebaut.

Der sogenannte Tresorraum ist die Schatzkammer. Sie misst neun mal neun Meter, ist fünf Meter hoch und hat 24 Zentimeter Stahlbeton zu allen Seiten. Außerdem ist sie einbruchsicher und voll klimatisiert. Geschäftsführer Knopp erklärt: "Das sind mehrere Millionen Euro, die wir hier lagern werden. Und deswegen auch dieser Tresor, den wir hier bauen."

Ein Millionengeschäft

Fünf Tonnen Cannabis für medizinische Zwecke sollen in diesem Gebäude gelagert werden. In der Umgebung wird man von den geruchsintensiven Blüten nichts mitbekommen. Das Unternehmen handelt mit knapp 30 verschiedenen Sorten. Es ist ein Millionengeschäft, das der Geschäftsführer Hendrik Knopp nach Deutschland holen will. Mit Sicherheitstransporten soll das Marihuana bundesweit an Apotheken und Krankenhäuser geliefert werden.

Teil zwei des Großprojektes

Parallel entsteht in Neumünster eine Anlage, in der im Auftrag der Bundesregierung das erste medizinische Cannabis in Deutschland angebaut werden soll. Auf rund 16.000 Quadratmetern entsteht eine riesige Bunkeranlage. Verbaut werden dafür rund 15.000 Tonnen Stahlbeton. Durch eine Schleuse werden die Blüten vom Anbaubereich in den Verarbeitungsbereich gelangen. "Hier darf kein Mensch durch. Hier wird in dieser Schleuse nur die Ware übergeben. Die Gärtner bleiben auf ihrer Seite und hier übernimmt der weiße Bereich die Verarbeitung", erklärt Thorsten Kolisch.

800 Kilogramm der kostbaren Blüten darf Aphria Deutschland pro Jahr ernten. Wenn die Bauarbeiten der beiden Hallen nach Plan laufen, rechtet das Unternehmen mit der ersten Ernte im Herbst 2020.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 29.04.2019 | 19:30 Uhr

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