Größere Rohre, mehr Freiflächen: Gemeinden suchen nach Lösungen bei Starkregen

Stand: 06.08.2021 13:03 Uhr

Immer öfter gibt es Starkregen mit Überschwemmungen. Die Gemeinden in Schleswig-Holstein überlegen, wie sie die Wassermassen in den Griff bekommen. Es gibt verschiedene Lösungsansätze.

Bei starkem Regen gibt es in Garding (Kreis Nordfriesland) immer wieder Probleme. Vom höchsten Punkt der Gemeinde, dem Kirchplatz, fließt das Regenwasser nach unten. Die Kanalisation ist aber nicht ausgelegt für die enormen Wassermassen. "Das Wasser sucht sich dann den Weg nach unten. Und somit fließt, was nicht mehr aufgenommen werden kann, in die tieferen Bereiche und verursacht da entsprechende Stauungen", erklärt Gardings Bürgermeisterin Andrea Kummerscheidt (CDU). Und so stehen Teile Gardings immer wieder unter Wasser, zuletzt war das Ende Juni der Fall.

Nadelöhr unter der Bahnstrecke

"Das Problem ist, dass das Wasser, das aus der Stadt kommt, unter der Bahn nicht durchkommt. Das heißt der Durchlass, der hier vor 150 Jahren unter der Bahnstrecke gelegt worden ist, ist absolut unzureichend, um dieses Wasser abzuführen", erläutert Thomas Helmke vom Tiefbauamt Eiderstedt. Die Sanierung dieses Nadelöhrs plant die Stadt seit vier Jahren. Doch noch immer sind nicht alle Genehmigungen dafür da. Dazu kommt: Viele Wassergräben sind zugewuchert, weil Privatbesitzer sie nicht pflegen. Das Wasser kann auch hier nicht ablaufen.

Leistungsfähige Pumpen beim Hauptsielverband

Diese Probleme haben viele Städte und Gemeinden. Hochwasserschutz betreffe sowohl die Küste als auch das Binnenland, betont der Städte und Gemeindetag. Nachgebessert werden müsse in vielen Orten vor allem bei der Kanalisation. Denn die stamme oft noch aus den 1960er oder 70er Jahren und sei nicht gerüstet für die zunehmend auftretenden Starkregenereignisse.

Freiflächen als eine Lösung

Viele Orte achten inzwischen darauf, in Neubaugebieten ausreichend Versickerungsflächen zu schaffen. Und in Uetersen (Kreis Pinneberg) müssen Bauherren dafür sorgen, dass sich ihre Grundstücke über ausreichend Freifläche selbst entwässern können. Die Stadt Kellinghusen (Kreis Steinburg) hat seit vier Jahren sogar ein eigenes Hochwasserschutzkonzept.

Eine überschwemmte Wiese. © NWM/TV
AUDIO: Gemeinden bereiten sich auf mögliche Überschnwemmungen vor (1 Min)

Größere Rohre als Lösung

Und in Garding arbeitet man daran, die Kanalisation mit größeren Rohren auszustatten. "Die Hauptkanalisation ist zu 80 Prozent erneuert, die kleineren Leitungen sind irgendwo zwischen 30 und 40 Prozent erneuert. Wir haben noch ein bisschen was vor uns, aber es ist auch schon eine ganze Menge getan", sagt Thomas Helmke vom Tiefbauamt Eiderstedt. Zusätzlich wollen sie in Garding in mobile Pumpen investieren. Und neue Flächenversiegelungen möglichst vermeiden.

Hauptsielverband pumpt Regenwasser in Nordsee

Die Verantwortlichen aus Garding arbeiten eng mit dem Deich- und Hauptsielverband (DHSV) zusammen. Elf Schöpfwerke pumpen überschüssiges Regenwasser in die Nordsee. "Wir haben durch den Klimawandel das Problem, dass hier größere Wassermengen ankommen, die wir pumpen müssen. Die Pumpen sind jetzt so groß, dass sie große Mengen abführen können", betont Jan Rabeler von DHSV Eiderstedt.

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Schleswig-Holstein Magazin | 06.08.2021 | 19:30 Uhr

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