Das Segelschulschiff "Gorch Fock" legt an der gleichnamigen Mole im Marinehafen in Kiel an. Nach mehrjähriger Sanierung ist das Schiff in seinen Heimathafen zurückgekehrt. © dpa-Bildfunk Foto: Axel Heimken

"Gorch Fock" - das Segelschulschiff ist zurück in Kiel

Stand: 04.10.2021 17:22 Uhr

Lange war die Zukunft der "Gorch Fock" nicht sicher - nun ist das Segelschulschiff der Deutschen Marine nach knapp sechsjähriger Sanierung wieder im Kieler Heimathafen angekommen.

Das Segelschulschiff hat an der Gorch-Fock-Mole am Marinestützpunkt Kiel-Wik festgemacht. Die Rückkehr des Segelschulschiffs der Deutschen Marine lockte Tausende Schaulustige an die Ufer und unzählige private Bootsführer auf dem Wasser begleiteten das 89 Meter lange Schiff auf den letzten Seemeilen zum Marinestützpunkt. Auch die Luftwaffe begrüßte die "Gorch Fock" - zwei Transall vom Lufttransportgeschwader 63 überflogen den Dreimaster mehrfach im Tiefflug - genauso wie ein Tornado.

In den kommenden Wochen muss die Stammbesatzung wieder lernen, wie die "Gorch Fock" zu segeln ist. Dafür wird das Segelschulschiff den Marinestützpunkt Kiel immer wieder verlassen, um auf der Ostsee zu üben, bis es dann Anfang November in Richtung Kanaren geht. Dort sollen dann im Januar die ersten Offiziersanwärter an Bord gehen und zur ersten Ausbildungsfahrt auf der für 135 Millionen Euro sanierten "Gorch Fock" starten.

Verteidigungsministerin verteidigt Instandhaltungskosten

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) ging in der Eckernförder Bucht für die letzten Seemeilen an Bord. Sie betonte in ihrer Begrüßungsrede in Kiel, wie wichtig der Dreimaster für die Ausbildung der angehenden Marine-Offiziere sei. Gleichzeitig verteidigte sie die hohen Instandhaltungskosten, die in Zukunft noch anfallen werden: "Wir haben gesagt, wir wollen die 'Gorch Fock' und die 'Gorch Fock' muss ständig überwacht werden und auch in Stand gehalten werden, dass noch viele Generationen sie nutzen können." Deutschland sei aber ein reiches Land und so ein "kleines Stück Tradition und Emotion sollten wir uns leisten", so die Ministerin weiter.

Freude über Rückkehr ist groß

Daniel Günther steht vor der Kamera
Freut sich auf die "Gorch Fock": Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther.

Groß ist die Freude über die Heimkehr bei Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU), da das Land seit über 65 Jahren eng mit der "Gorch Fock" verbunden sei: "Das Segelschulschiff ist nicht nur als schwimmende Botschafterin Deutschlands auf allen Weltmeeren unterwegs, sondern auch Wahrzeichen und Visitenkarte unseres Bundeslandes und der Landeshauptstadt Kiel."

So sieht es auch Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). Für ihn ist die "Gorch Fock" ein echter Identitätsanker und gehöre zur Stadt wie der THW Kiel oder die Kieler Woche: "Die 'Gorch Fock' ist wahrscheinlich das bekannteste Schiff in Deutschland überhaupt. Wir sind Kiel Sailing-City und da ist das Schiff ein ganz wichtiger Mosaik-Stein für die Identität." Im kommenden Jahr feiert der Landtag in Schleswig-Holstein die 40-jährige Patenschaft für die "Gorch Fock". Auch das zeige, wie wichtig das Schiff für das Land sei, so Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU): "Über alle Parteigrenzen hinweg sind wir stolz auf die Patenschaft."

Bund der Steuerzahler rechnet mit weiteren Millionen

Es gibt aber kritische Stimmen. So hat der Bund der Steuerzahler in seinem jährlich erscheinenden Schwarzbuch immer wieder die Kosten für die Sanierung des Schiffes angeprangert, die zuletzt auf 135 Millionen Euro gestiegen sind. Vor allem befürchtet der gemeinnützige Verein, dass in den kommenden Jahren weitere Millionen in die "Gorch Fock" fließen müssen. "Es soll jetzt ja ein Rahmenvertrag vergeben werden. Danach soll die 'Gorch Fock' alle zweieinhalb Jahre für etwa sechs Monate in die Werft", so Rainer Kersten, Geschäftsführer des schleswig-holsteinischen Bundes der Steuerzahler.

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Schwimmender Protest von Naturschützern

Auch die Naturschutzorganisation WWF und der Deutsche Naturschutzring (DNR) begleiteten die Rückkehr kritisch. Bei einem Protest auf dem Wasser ging es um angeblich illegal geschlagenes Tropenholz, das auf der "Gorch Fock" verbaut worden sein soll. Zuletzt stelltee der WWF einen Eilantrag beim Bundesverfassungsgericht, um zu prüfen, ob es sich um illegales Tropenholz handelt. Bislang weigert sich laut den Naturschützern die zuständige Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, die dem Bundeslandwirtschaftsministerium unterstellt ist, einen Blick auf die Importdokumente zu werfen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.10.2021 | 15:00 Uhr

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