Stand: 25.10.2018 17:11 Uhr

Gewalt gegen Frauen: "Es gibt noch viel zu tun"

Für zahlreiche Frauen ist Gewalt in den eigenen vier Wänden tägliche Realität. Aber auch an anderen Orten, zum Beispiel in Behindertenheimen oder bei obdachlosen Frauen auf der Straße, kommt es zu sexueller oder körperlicher Gewalt. Das Bundesfamilienministerium geht davon aus, dass jede dritte Frau bundesweit davon betroffen ist.

Schleswig-Holstein will etwas dagegen tun und hat als erstes Bundesland den Startschuss für die Umsetzung eines europaweiten Übereinkommens gegeben - der sogenannten Istanbul Konvention. Sie soll die Ursachen von Gewalt gegen Frauen bekämpfen.

"Werden Menschen nur ganz langsam ändern"

Durch die "#MeToo"- und "Nein heißt Nein"-Debatten in den vergangenen Monaten sei das Thema Gewalt gegen Frauen endlich aus einer Nische herausgekommen, sagt Ursula Schele vom Landesverband Frauenberatung. Für Schleswig-Holstein gäbe es aber noch viel zu tun, sagt Gleichstellungsministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) - zum Beispiel beim Thema Prävention.

Besonders Mädchen und junge Frauen müssten über sexuelle Gewalt aufgeklärt werden, findet die CDU-Politikerin: "Weil viele Frauen schon in ihrer ersten Beziehung Gewalt erleben, müssen wir auch da natürlich vorbeugen. Wir werden die Menschen nur ganz langsam ändern. Das ist leider so. Aber wir haben schon große Fortschritte gemacht, da müssen wir weiter dran arbeiten."

Bessere Hilfe für Opfer von Gewalt

Neben der Prävention soll Gewaltopfern auch besser geholfen werden - für Ursula Schele ist klar: Das geht auf Dauer nur, wenn die Stellen in den 28 Fachberatungsstellen des Verbandes in Schleswig-Holstein verdoppelt werden. Auch Frauenhäuser sind in diesem Zusammenhang ein Thema: Erst am Dienstag hatten die Landesregierung und kommunale Spitzenverbände beschlossen, in den 16 Frauenhäusern im Land 30 zusätzliche Plätze einzurichten. Dafür werden Mittel in Höhe von jeweils 377.600 Euro bereitgestellt. Außerdem soll mithilfe einer Analyse ermittelt werden, wie hoch der Bedarf an Plätzen in Frauenhäusern im Land ist. Die Belastung in den vorhandenen Einrichtungen sei hoch, sagte Sütterlin-Waack.

Die sogenannte Istanbul Konvention ist ein Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt. Sie wurde von fast allen EU-Mitgliedstaaten unterzeichnet und ist im Februar in Deutschland in Kraft getreten. Damit verpflichtet sich Deutschland, auf allen staatlichen Ebenen alles dafür zu tun, dass Gewalt gegen Frauen bekämpft, Betroffenen Schutz und Unterstützung geboten und Gewalt verhindert wird.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.10.2018 | 17:00 Uhr

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