Stand: 23.03.2019 06:00 Uhr

Dem Wolf auf der Spur - mit Hunden

von Katrin Bohlmann

Der Wolf polarisiert. Die einen freuen sich, die anderen fürchten sich. Immer wieder werden Schafe gerissen. Die Schäfer sind besorgt. Allein in Schleswig-Holstein wurde in diesem Jahr laut Umweltministerium mehr als 90 Mal ein Wolf gesichtet. Bis zu vier Wölfe halten sich zurzeit im nördlichsten Bundesland auf, vermuten die Experten. Ein Wolf im Kreis Pinneberg ist zum Abschuss freigegeben. Er ist mehrfach über Zäune gegangen und hat Schafe gerissen. Eine kleine Gruppe engagierter Hundebesitzer bildet seit vier Jahren sogenannte Wolfsspürhunde aus. Mit ihnen können Hinweise auf Wölfe schneller geprüft und Schäfer rechtzeitig informiert werden. Die Wolfsspürhunde sind vom Umweltministerium als offizielle Helfer anerkannt. Das ist laut Behörde einmalig in Deutschland.

Wolfsspürhunde: Eine Fingerspitze Wolfsfell reicht

Ausbildung dauert lange und ist aufwendig

Einer der Wolfsspürhunde ist Pelle. Aufgeregt wartet er, dass das Training endlich losgeht. Er bellt und jault. Der Australian Shepherd hat auf einem Feld bei Kühsen im Kreis Herzogtum Lauenburg den Geruch eines Wolf aufgenommen - über eine Probe auf einem Wattepad. Nun will er losstürmen, auf Spurensuche gehen. Frauchen Petra Schulz gibt dazu das Kommando: "Pelle, such den Wolf." An der langen Schleppleine rennt Pelle los. Die Nase immer wieder am Boden. Die Ausbildung zum Wolfsspürhund ist lang und aufwendig. Der Vierbeiner muss andere Gerüche ignorieren, so verlockend sie auch sind: Er darf sich nicht ablenken lassen.

"Wir bilden die Hunde auf Wolfsgeruch aus, weil wir im Rahmen des Monitoring mit den Hunden versuchen wollen, Informationen über den Wolfsbestand zu bekommen", erzählt Hundetrainerin Uta Kielau aus Büchen. Sie bildet seit vier Jahren Wolfsspürhunde aus. "Wir haben ja häufig mal eine Sichtungsmeldung. Wenn mir also einer erzählt, er hat einen Wolf gesehen, kann ich mit meinem ausgebildeten Hund hingehen und die Stelle prüfen. Der Hund zeigt mir dann an, ob hier Wolfsgeruch war. Das kann er sogar einen Tag später noch erkennen."

Hunde arbeiten im Auftrag des Ministeriums

Die Hunde arbeiten im Auftrag des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums. Ihre Besitzer sind offizielle Wolfsbetreuer. Sie arbeiten ehrenamtlich und müssen ihre Informationen weitergeben ans Land, an den Bund und an die EU. Sie jagen nicht dem Wolf hinterher. Vielmehr suchen sie Nachweise, wo das Tier ist, um "vor allem Schäfer zu warnen", erklärt Wolfsbetreuer Björn Schulz aus Bordesholm. Ob ein Wolf ein Schaf gerissen hat, wird anhand von DNA-Spuren am Kadaver des Schafs festgestellt.

Wolfsspürhund.

Ausbildung: Hunde als Wolfsschnüffler

Schleswig-Holstein Magazin -

Im Kreis Herzogtum Lauenburg werden Hunde von Wolfsbetreuern ausgebildet, um Wölfe aufzuspüren - aber nicht zu jagen. Zwei Hunde sind bereits offizielle "Wolfsspürhunde".

1,86 bei 21 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

"Wenn es gut läuft, bekommen wir nach drei Wochen die Aussage: Ja, es war ein Wolf", sagt Schulz - und ergänzt: "Mit den Hunden bekommen wir eine sehr viel schnellere Methode. Die können uns sofort sagen, ob es ein Wolf war." Mit dieser Information gehen die Wolfsbetreuer sofort zum Schäfer. Der muss dann handeln - und am besten einen Zaun aufbauen. Nur so kann er seine Tiere schützen. Denn in der Regel gehen Wölfe laut Schulz nicht über Zäune. Allerdings gibt es im Land immer mal wieder Wölfe, die einen sogenannten wolfssicheren Zaun überwinden und Schafe reißen.

Schäfer können schneller handeln und ihre Tiere schützen

Beim Training arbeiten die Hunde mit Wolfsgerüchen von DNA-Material. Dabei helfen das Landeslabor in Neumünster und das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. Sie stellen Proben mit Wolfshaaren zur Verfügung. Daraus zieht Hundetrainerin Uta Kielau sogenannte Geruchskopien, indem sie zum Beispiel Wattepads an das DNA-Material legt. Das reicht den Hunden, um den Wolf zu riechen. Der Plan ist laut Wolfsbetreuer Björn Schulz, dass Wolfsspürhunde immer mehr eingesetzt werden sollen. Das Problem: Es gibt aktuell nur zwei ausgebildete Hunde: Pelle und Scott.

"Wir betreten gerade Neuland"

Der Labrador-Bluthund-Mischling Scott ist der Hund von Uta Kielau. Drei weitere Wolfsspürhunde sind gestorben, andere sind noch in der Ausbildung. Björn Schulz warnt, dass nicht jeder Hund Wölfe suchen darf. "Mit Hunden Wölfen hinterher zu spüren, ist im Prinzip schon ein artenschutzrechtliches Problem. Dafür muss man eine Genehmigung vom Umweltministerium haben. Deswegen wollen wir erst mal mit den Leuten aus den Wolfsbetreuerkreisen arbeiten. Die haben die fachlichen, rechtlichen Grundlagen. Wir betreten mit den Wolfsspürhunden gerade Neuland."

Wolfsbetreuer: "Menschen müssen lernen, mit Wolf zu leben"

Nach kurzer Suche zeigt Wolfsspürhund Pelle an, dass er etwas gefunden hat. Er setzt sich an die Stelle, wo es nach Wolf riecht. Hundehalterin Petra Schulz lobt ihn. Zur Belohnung bekommt Pelle ein Leckerli und sein Quietsche-Spielzeug. Glücklich spielt er damit. Einem echten Wolf sind er und seine Besitzerin noch nicht begegnet. Grundsätzlich sind sich die schleswig-holsteinischen Wolfsbetreuer einig, dass Wölfe keine Gefahr für den Menschen darstellen. Wenn Schäfer ihre Tiere mit entsprechenden Zäunen schützen, passiere auch nichts, meinen sie. "Wölfe fressen Wildschweine und Damwild. Die Menschen müssen einfach lernen, mit dem Wolf zu leben."

Weitere Informationen

Interaktive Karte: Wölfe in Schleswig-Holstein

Anhand von DNA-Analysen lassen sich Bewegungsprofile der Wölfe erstellen. NDR.de zeigt alle Nachweise der Wildtiere der vergangenen Jahre in einer interaktiven Karte. mehr

Wolf in SH soll weiter gejagt werden

Schleswig-Holstein verlängert die Abschussgenehmigung für den Wolf, der sich in den Kreisen Pinneberg, Steinburg und Segeberg aufhält. Das hat Minister Albrecht gesagt. Bislang wurde das Tier nicht gesichtet. mehr

Dossier: Wölfe in Schleswig-Holstein

Die Rückkehr des Wolfes nach Schleswig-Holstein bewegt viele im Land. Im Dossier bei NDR.de berichten die NDR Reporter über Aktuelles und Hintergründe. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 23.03.2019 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:01
Schleswig-Holstein Magazin
02:20
Schleswig-Holstein Magazin

Betrug: Falsche Polizisten vor Gericht

Schleswig-Holstein Magazin
02:32
Schleswig-Holstein Magazin

Aalebesatz in der Flensburger Förde

Schleswig-Holstein Magazin