Stand: 04.07.2017 21:12 Uhr

Datenschutz in SH: Es gibt Verbesserungsbedarf

Videokameras auf Plätzen, Dateien über Drogenkonsum, die nicht gelöscht wurden und Funkzellenabfragen: Die Digitalisierung schreitet immer weiter fort - dank Smartphone, Smart Home und Apps - doch manchmal bleibt der Datenschutz auf der Strecke. Die Landesbeauftragte für Datenschutz, Marit Hansen, ist seit zwei Jahren im Amt. Am Dienstag hat Hansen in Kiel ihren ersten Tätigkeitsbericht vorgestellt. Sie sieht beim Umgang mit Daten im Norden noch Nachbesserungsbedarf. Und sie wirbt für mehr Sensibilität beim Umgang mit Smartphones

Zahlreiche Rechtsverstöße beanstandet

Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) unter der Leitung von Hansen kümmert sich um die Einhaltung des Datenschutzrechts. Dabei werden vor allem Firmen und Behörden unter die Lupe genommen und getestet, ob dieses Recht eingehalten wird. Laut Marit Hansen funktioniert dies zwar in vielen Fällen, wenn ein Datenschutz-Managementsystem vorliegt. Der Bericht des ULD macht aber auch deutlich: "Teilweise - dies hat sich ebenfalls bei unserer Arbeit gezeigt - besteht aber dringender Nachbesserungsbedarf. Wir mussten zahlreiche Rechtsverstöße beanstanden." Aber: "Desaster kommen zum Glück recht selten vor", so Hansen.

40.000 Patientendaten in falschen Händen

Ein Beispiel, bei dem die Datenschützer tätig werden mussten: Unverschlüsselte Daten einer psychiatrischen Gemeinschaftspraxis. Hier gelangten Namen, Behandlungsdaten und Arztbriefe von mehr als 40.000 Patienten in die Hände von Einbrechern. Damit so etwas nicht wieder passiert, hat das ULD gemeinsam mit der Ärztekammer und der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein einen Selbst-Check für Arztpraxen erarbeitet. So sollen die Praxen selbst überprüfen, ob die Daten genügend geschützt beziehungsweise verschlüsselt sind.

Datenweitergabe kann dramatische Folgen haben

Ebenso unachtsam wurde auch mit Uraltspeicherungen umgangen. Bei einer Prüfung der Falldatei Rauschgift kam heraus, dass noch Datensätze aus der 1990er Jahren gespeichert wurden, die längst hätten gelöscht sein sollen. Hier wurden außerdem Daten zu Drogentoten preisgegeben. "Es kann dramatische Auswirkungen haben, wenn Patientendaten oder Kontoauszüge in die falschen Hände geraten. Die Umsetzung von Maßnahmen für Datenschutz und Informationssicherheit ist gesetzliche Pflicht", so die Landesbeauftragte.

Sprachsteuerung beim Telefon besser ausschalten

Beim Thema Smartphone und Co. warb die Datenschutzbeauftragte Hansen für mehr Sensibilität. "Das ganze Handysystem ist nicht auf Datenschutz-Freundlichkeit ausgelegt", sagte sie. Neben der Nutzung von Messenger-Diensten wie WhatsApp sieht die Expertin auch Techniken wie die Sprachsteuerung des Mobiltelefons oder von vernetzten Lautsprechern wie Amazons "Echo" kritisch. Sie wolle aus Gründen des Datenschutzes zwar "nicht Askese empfehlen". Zumindest die Sprachsteuerung des Telefons sollten Nutzer aber ausschalten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.07.2017 | 13:00 Uhr

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