Stand: 16.03.2020 11:53 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Coronavirus: Touristen-Verbot auf den Inseln

Die Landesregierung hat im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus alle Nord- und Ostseeinseln sowie die Halligen für Touristen gesperrt. Inselurlauber sollen laut Landesregierung die Heimreise antreten. Direkt an der Fehmarnsundbrücke begannen Mitarbeiter der Straßenmeisterei am Morgen damit, Verkehrszeichen aufzubauen. Seitdem wird der Verkehr auf der B207 vor Großenbrode (Kreis Ostholstein) abgefangen, sodass die Polizei Auto- und Lkw-Fahrer kontrollieren kann.

Coronavirus: Unser Reporter berichtet von Fehmarn

NDR 1 Welle Nord - Schleswig-Holstein Magazin -

NDR Schleswig-Holstein Reporter Hauke Bülow berichtet von Fehmarn. Dort kommen in der Corona-Krise gleich zwei Maßnahmen zusammen: Grenzkontrollen und Insel-Verbot für Touristen.

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Viele Touristen auf Fehmarn reagierten enttäuscht. Zum Teil waren sie an die Ostsee gekommen, weil sie Ski- oder Italien-Urlaube nicht antreten konnten. "Für uns ist es nicht ganz schön. Wir wären gerne noch hier geblieben, aber das Virus fordert das ein und dann fahren wir doch lieber nach Hause", sagte Urlauberin Gabriele Dobberstein am Morgen. Auch die Restaurantbesitzer auf der Insel trifft die Entscheidung hart, sie befürchten erhebliche Umsatzeinbußen durch ausbleibende Besucher genauso wie Ferienhausvermieter. Ulrike Philippich, Vermieterin aus Burg, bekam bereits die erste Stornierung: "Wir könnten loslegen und haben uns auch schon sehr auf die Saison gefreut. Jetzt warten wir alle wie und wann es jetzt endlich losgeht."

Urlauber werden zurückgeschickt

Auf Sylt zeigten am Morgen viele Gäste Verständnis für die Entscheidung der Landesregierung in der aktuellen Lage, wie NDR Schleswig-Holstein berichtet. Gegen Mittag wurde es am Autozug in Westerland voller. Es kann unter Umständen zu Wartezeiten kommen.

Die Wyker Dampfschiffsreederei spricht von einer ruhigen und entspannten Lage an den Fähranlegern. Nachmittags soll aber ein weiteres Schiff auf die Strecke, um die Urlauber geordnet von den Inseln zu bringen.

Die Polizei kontrolliert die Autos an der Verladung in Niebüll und am Fähranleger in Dagebüll. Wer nicht auf der Insel wohnt oder arbeitet, wird wieder zurückgeschickt. Helgolands Bürgermeister Jörn Singer (parteilos) sagte, er rate Urlaubern, die Insel zu verlassen.

Betroffen von den Inselabriegelungen sind inzwischen alle Inseln in Norddeutschland.

Günther: "Wir müssen in dieser Situation anders handeln"

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hatte die Schließung der Inseln und Halligen in Schleswig-Holstein gestern (15.3.) nach einer Telefonkonferenz des Landeskabinetts bekannt gegeben. "Ich will ausdrücklich an alle Touristen appellieren, die aus anderen Bundesländern, aus anderen Regionen zu uns kommen: Ihr und Sie alle sind uns immer herzlich willkommen, aber in dieser besonderen Situation müssen wir anders handeln", sagte Günther.

Die Landesregierung teilte am Montag einen neuen Stand der bestätigten Corona-Fälle mit. Demnach stieg die Zahl auf 123. Dabei handelt es sich um alle bestätigten Fälle bis Sonntagabend (15.3.), 23:59 Uhr.

Garg: Medizinische Versorgung für Inselbewohner sichern

Nur Personen, die ihren ersten Wohnsitz auf den Inseln haben oder dort arbeiten, sind von den Zugangsbeschränkungen auf die Inseln ausgenommen. Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) begründete den Schritt damit, die medizinische Versorgung für die Inselbewohner auch in der aktuell kritischen Lage sichern zu müssen. Für eine große Zahl an Touristen seien die Kapazitäten der Intensivmedizin auf den Inseln nicht ausgelegt. Günther bat Touristen auch, ihren für die nächsten Wochen geplanten Urlaub nicht anzutreten.

Betroffen sind laut Landesregierung die Inseln Sylt, Amrum, Föhr, Fehmarn, Pellworm und Helgoland. Hinzu kommen die Halligen Nordmarsch-Langeneß, Hooge, Oland, Gröde, Nordstrandischmoor und die Hamburger Hallig. Die Dauer der Maßnahme ist noch nicht bekannt.

Viele Touristen in Urlaubsorten an der Küste

Trotz der Empfehlung von Landes- und Bundesregierung, nicht notwendige Reisen zu unterlassen, waren zuletzt viele Touristen an die Küsten des nördlichsten Bundeslandes gereist. Diesem Ansturm könne man nicht gerecht werden, "weil wir auch im Interesse der eigenen Bevölkerung gucken müssen, wo wir die entsprechenden intensivmedizinischen Plätze denn haben", erklärte Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP). Regierungschef Günther hat für heute weitergehende Regelungen für den Tourismus in ganz Schleswig-Holstein angekündigt.

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Buchholz: Tourismus muss heruntergefahren werden

Minister Buchholz sagte bereits, dass der Tourismus heruntergefahren werden müsse: "Es macht überhaupt keinen Sinn für die eigene Bevölkerung, den Besuch von Kindergärten und Schulen einzustellen und dann parallel zu erleben, dass das Land von Touristenmengen überschwemmt wird oder Touristen in großer Anzahl in das Land drängen - auch noch gegebenenfalls aus Gebieten, wo das Virus stärker verbreitet ist als bei uns.

Virologe: Auch Orte auf dem Festland sollten abgeriegelt werden

Der Leiter des Instituts für Infektionsmedizin an der Kieler Universität, Helmut Fickenscher, sagte in der NDR 1 Welle Nord Sendung Zur Sache, dass er es für sinnvoll halte, auch Touristenorte auf dem Festland für Urlauber abzuriegeln. Die Tourismusstruktur auf den Inseln sei nicht viel anders als beispielsweise in Timmendorfer Strand (Kreis Ostholstein), so der Virologe.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.03.2020 | 10:00 Uhr

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