Stand: 16.03.2020 14:33 Uhr

Coronakrise: Nun ist die Bevölkerung gefordert

Von Reinhard Mucker

Der Urlaub ist vorbei: Die schleswig-holsteinischen Inseln, wie Amrum, Sylt, Föhr oder Fehmarn und die Halligen werden für Touristen geschlossen - eine ebenso drastische wie konsequente Maßnahme der Landesregierung. Schon heute Morgen haben die ersten Urlauber die Inseln mit den Fähren oder dem Autozug verlassen - seit acht Uhr kontrolliert die Polizei den Zugangsverkehr zu den Inseln, winkt fremde Autokennzeichen raus, lässt Inselbewohner und Lkw mit Lebensmitteln durch.

Landesregierung musste Notbremse ziehen

Volle Strände, Promenaden und Restaurants, ganze Pulks von Menschen, die sich am Wochenende durch die Touristenorte schoben, ohne auf Abstandsregeln zu achten - ganz offensichtlich haben viele Urlauber die Dramatik der Lage nicht erkannt oder einfach bewusst ausgeblendet. Weil die Skigebiete geschlossen wurden, sind offenbar auch noch viele einfach nach Schleswig-Holstein gereist. Solidarisches, verantwortungsvolles Verhalten sieht anders aus. Es blieb der Landesregierung also gar nichts anderes übrig, als die Notbremse zu ziehen.

Abschottung und volle Inseln passen nicht zusammen

Alle Veranstaltungen abzusagen und die Bevölkerung in Schleswig-Holstein aufzurufen, Sozialkontakte möglichst zu vermeiden, das Ansteckungsrisiko so zu minimieren, zuhause zu bleiben - während sich auf den Inseln die Touristen tummeln - das passt nun so gar nicht zusammen. Sozialminister Heiner Garg (FDP) und die Landesregierung haben das richtig erkannt: Für eine so große Zahl von Urlaubern seien die medizinischen Kapazitäten auf den Inseln einfach nicht ausgelegt. Zum Glück zeigten die meisten Urlauber, die gebucht hatten, dann doch Verständnis für die Maßnahmen.

Einbußen: Land und Bund sind gefordert

Aber bei der Abriegelung der Inseln und Halligen wird es kaum bleiben können, die Landesregierung hat bereits weitere Maßnahmen angekündigt. Auch die Küstenorte an der Nord- und Ostseeküste werden wohl ähnliche Maßnahmen zu spüren bekommen. Für die Tourismusbranche ist das ein in dieser Härte wohl einmaliger Schlag. Viele, vor allem die kleineren Betriebe werden die großen finanziellen Einbußen nicht wegstecken können, blicken in den Abgrund. Ohne umfassende staatliche Hilfen wird das nicht gehen. Auch da sind das Land Schleswig-Holstein aber ganz besonders auch der Bund gefordert. Auch das muss jetzt schnell gehen.

Ministerpräsident Günther hat recht

Inseln abschotten, das öffentliche Leben herunterfahren und Hilfen in Aussicht stellen. Die jetzigen Maßnahmen zeigen: Die Landesregierung handelt in dieser schweren Krise konsequent aber auch umsichtig. Gefordert ist jetzt aber auch die Bevölkerung - nur wenn auch die sich konsequent verhält, besteht die Chance, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat recht, cool sind die, die sich an die neuen Regeln halten.

Weitere Informationen
Am Sylt-Shuttle stehen Lkw und Pkw für die Rückreise an. © NDR Foto: Simone Steinhardt

Coronavirus: Touristen-Verbot auf den Inseln

Schleswig-Holstein ergreift in der Corona-Pandemie drastische Maßnahmen: Inseln und Halligen an Nord- und Ostsee sind für Urlauber gesperrt. Die Landesregierung bittet um Verständnis. mehr

Ein Virus schwebt vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia, fotolia Foto: Christian Müller

Coronavirus in SH: Videos, Infos, Hintergründe

Die Auswirkungen der Pandemie des Coronavirus Sars-CoV-2 in Schleswig-Holstein dauern an. Hier finden Sie Videos, Informationen und Hintergründe zu dem Thema. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Kommentar | 16.03.2020 | 14:10 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Drohnenaufnahme eines Sees in Schleswig-Holstein. Dunkle und helle Wolken spiegeln sich auf der glatten Wasseroberfläche. Die Bäume am Ufer tragen buntes Herbstlaub. © NDR

Fotograf Jürgen Müller: "Trüffelschwein" mit Drohne

Der Autodidakt aus Bargteheide zeigt die Natur in Stormarn aus ungewöhnlichen Perspektiven. mehr

Ein schwarzen Schild mit der Schrift "Kreis Dithmarschen" hängt an der Aussenwand der Kreisverwaltung in Heide. © NDR

Corona: Dithmarschen überschreitet Warnschwelle

In Dithmarschen gab es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 36 Fälle pro 100.000 Einwohner. Das hat Konsequenzen. mehr

Glühwein mit Zimtstangen. © fotolia Foto: Maren Winter

Corona: Kein Punschwald in Itzehoe, kein Eisfestival in Kiel

Damit wird die Liste der Absagen von Winter-Events in Schleswig-Holstein immer länger. mehr

Ein Miniaturhaus und Geld liegen auf einer Hand. © Fotolia.com Foto: Robert Kneschke

Immobilienpreise in Schleswig-Holstein steigen und steigen

Die Corona-Pandemie hat daran nichts geändert - im Gegenteil. mehr

Videos