Stand: 11.06.2020 20:42 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

UKSH rechnet mit Corona-Minus von 60 Millionen Euro

Wenn Sozial- und Finanzausschuss gemeinsam mit der Führung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) und Finanzministerin tagen, dann geht es gewöhnlich um viel Geld. So auch diesmal. Anfang März hatte das UKSH noch eine Summe von 125 Millionen Euro vorausgesagt, als es um die zu erwartenden Einnahmeausfälle infolge der Corona-Krise ging. Nun beziffert Vorstandschef Jens Scholz das Minus mit 60 Millionen Euro. "Das ist eine Menge Geld, aber das Konzept, Intensivkapazitäten am UKSH vorzuhalten, war und ist richtig", sagt Finanzministerin Monika Heinold (Grüne). Das Land hat in seinem zweiten Nachtragshaushalt Geld fürs UKSH eingeplant.

Bund beteiligt sich - aber nicht komplett

Dass die Summe nach jetzigem Stand geringer ausfällt, ist dem weniger gravierenden Verlauf der Pandemie zu verdanken. Dadurch hat das UKSH wieder mehr Patienten aufnehmen können. Und die Kosten fürs Land könnten noch weiter sinken - denn der Bund hat zugesagt, die Pauschale für Maximalversorger, wie das UKSH, zu erhöhen. "Wir konnten die Summe immerhin um vermutlich rund vier Millionen Euro reduzieren", sagt Heinold.

Maximalversorger wie das UKSH sind besonders von der Pandemie betroffen. UKSH-Chef Jens Scholz erklärt, die Universitätskliniken insgesamt hätten 25 Prozent der Covid-19-Fälle behandelt, also die Hauptlast getragen. Gleichzeitig ging die Zahl der "normalen", verschiebbaren, OPs um fast 40 Prozent zurück. Das brachte dem UKSH "einen massiven Erlöseinbruch", sagt Scholz.

Effizienzrendite wackelt

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Das UKSH fährt noch nicht wieder unter Vollast - nimmt also immer noch weniger ein als geplant.

Und was bedeutet das nun für die vom UKSH angestrebte Effizienzrendite? Das Prinzip also, dass sich der Neubau des Klinikums durch Einsparungen am Personal und steigende Fallzahlen von selbst trägt? Zumindest letzteres wird vor dem Hintergrund der zurückgegangenen OP-Zahlen nicht zu schaffen sein. Wenn man bedenkt, dass das UKSH auch weiterhin noch nicht unter Volllast fährt, "dann werden wir diesen Teil dieses Jahr nicht heben" sagt Scholz. Aber schließlich halte man ja im Interesse des Gesundheitsschutzes der Bevölkerung Betten frei.

Die Voraussetzungen im Gesundheitswesen ändern sich immer wieder. Zuletzt eben durch Corona. Beate Raudies von der SPD sagt: "Vielleicht ist man immer zu optimistisch, wenn man solche Effizienzrenditen für fünfzig Jahre plant und muss einfach in Zukunft vorsichtiger sein mit solchen Prognosen."

Landesrechnungshof skeptisch

Gaby Schäfer, Präsidentin des Landesrechnungshofes, meint, ohne Zweifel habe das UKSH höhere Kosten und brauche mehr Geld. Jedoch sieht sie die Gefahr, dass Corona am Ende auch als Ausrede für zu geringe Fallzahlen - und eine zu geringe Effizienzrendite - genutzt werden könnte: "Ich denke schon, dass man gucken muss, wie die Fallzahlen im Januar und Februar waren, das waren ja noch die normalen Monate, und wie sie am Ende des Jahres sind. Dann kann man sehr genau unterscheiden, was eigentlich corona-bedingt ist und was nicht."

Finanzministerin Heinold stellt klar: "Wir achten sehr genau darauf, dass spitz abgerechnet wird." Dass das UKSH wirtschaftlich arbeiten muss, ändere sich auch durch die Pandemie nicht.

Die 60 Millionen Euro Minus, die jetzt im Raum stehen, sind weiterhin nur als Prognose zu verstehen. Denn, ob es eine zweite Welle der Pandemie gibt - und wie schwer sie ausfällt - weiß derzeit niemand.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.06.2020 | 17:00 Uhr

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