Stand: 14.01.2020 11:45 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Busfahrer streiken in vier großen Städten

Gähnende Leere am ZOB in Neumünster: Normalerweise fahren hier 34 Busse der Stadtwerke ab - am Dienstagmorgen ist kein einziger Bus zu sehen. Viele Pendler, die hier mit dem Zug ankommen und sonst mit dem Bus weiterfahren, müssen sich nun nach Alternativen umsehen. Ein NDR Schleswig-Holstein Reporter, der vor Ort ist, sagte, dass viele sich stattdessen ein Taxi nehmen oder aber im Regen zu Fuß gehen. Auch Menschen mit E-Rollern seien unterwegs. Nicht nur in Neumünster, sondern auch in Flensburg, Kiel und Lübeck gibt es heute einen Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr. Die Gewerkschaft Ver.di hat etwa 1.500 Fahrerinnen und Fahrer dazu aufgerufen, den ganzen Tag die Arbeit niederzulegen und für mehr Geld zu streiken.

Schischefsky: "Erfolgreicher Warnstreik"

"Es ist kein Bus dort, wo zur Arbeitsniederlegung aufgerufen wurde, vom Hof gerollt", sagte Ver.di-Sprecher Frank Schischefsky. Einzige Ausnahmen seien in Kiel Busse zu Behinderteneinrichtungen gewesen. Ver.di will mit dem Warnstreik Druck machen auf die stockenden Tarifverhandlungen. Die dritte Runde findet am Mittwoch in Kiel statt. "Die Arbeitgeber sollten den erfolgreichen Warnstreik als Signal wahrnehmen und sich bewegen", sagte Schischefsky.

Flensburg und Lübeck: Kaum Busse unterwegs

In Flensburg verzeichnet Aktiv Bus viele ausgefallene Fahrten. Die Linien 1, 3 und 5 Ring A fallen komplett aus, die Linie 2 wurde nur am frühen Morgen auf wenigen Fahrten bedient, und auch auf den anderen Flensburger Buslinien ist das Angebot deutlich reduziert. In Lübeck fallen alle Busfahrten auf den städtischen Linien aus. Die Linien 30, 31, 32, 33, 35, 38, 39 und 40 der Lübeck-Travemünder-Verkehrsgesellschaft (LVG) sind von dem Streik nicht berührt und fahren nach Fahrplan, wie die LVG informiert. Auch die Priwallfähre wird bestreikt. An den Bushaltestellen warteten am Morgen Dutzende Menschen, die noch nichts von dem Streik mitbekommen hatten.

Autokraft fährt in Kiel - Demo der Busfahrer

Bei der Kieler Verkehrsgesellschaft bleiben am Dienstagalle Busse im Depot. Die Busse der Autokraft werden nicht bestreikt. In der Landeshauptstadt betrifft das zum Beispiel Fahrten der Linien 500 und 900. In der Stadt startete am Vormittag eine Demonstration der Busfahrer. 200 Menschen beteiligten sich, sagte ein Polizeisprecher. Sie zogen durch Teile der Innenstadt. Am Stresemannplatz hielten sie eine Kundgebung.

Ver.di fordert 2,06 Euro mehr pro Stunde

Hintergrund des Streiks ist der Tarifstreit mit dem kommunalen Arbeitgeberverband. Die zweite Verhandlungsrunde war am vergangenen Donnerstag abgebrochen worden. Das Tarif-Angebot war Ver.di zu gering: Die Gewerkschaft fordert für die Busfahrer in diesem Jahr einen Festbetrag von 2,06 Euro pro Stunde mehr und eine Laufzeit von zwölf Monaten - laut Arbeitgebern eine Steigerung von 14 Prozent.

Ver.di liegt nach eigenen Angaben das Angebot einer prozentualen Erhöhung vor: 1,8 Prozent in diesem Jahr und ab dem nächsten 1,3 Prozent mehr. Dies sei zu wenig, und Geringverdiener profitierten davon am wenigsten, sagte ein Ver.di-Sprecher. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Wilfried Kley, hält es "in Anbetracht der Forderung von Ver.di" für "ausgesprochen schwierig, sich zügig anzunähern. Deswegen halte ich die Gefahr, dass es auch künftig zu weiteren Streiks kommen könnte, leider für durchaus gegeben." Er appelliert an die Gewerkschaft, von der hohen Lohnforderung abzurücken und gemeinsam am Verhandlungstisch einen Kompromiss zu finden. Auch der Arbeitgeberverband werde sich dann bewegen, so Kley.

Weitere Informationen

Streik der Busfahrer: Diese Linien sind betroffen

Wer am Dienstag in Kiel, Lübeck, Neumünster und Flensburg auf den Bus angewiesen ist, hat schlechte Karten. In diesen Städten bleiben fast alle Busse in ihren Depots. Hintergrund ist ein Streik. mehr

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.01.2020 | 08:00 Uhr

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