Stand: 10.10.2019 16:07 Uhr

Bund will Landstrom mit 140 Millionen Euro fördern

Der Bund und die norddeutschen Länder wollen etwas dafür tun, damit Kreuzfahrt- oder Containerschiffe in Häfen nicht mehr so viel Schadstoffe ausstoßen. Konkret geht es darum, mehr Anreize für Städte zu schaffen, Landstromanlagen für Schiffe zu bauen - und mehr finanzielle Anreize für Reedereien, diese Anlagen auch zu nutzen. Bislang rechnet es sich für Reeder kaum, ihre Schiffe an die wenigen bestehenden Anlagen anzuschließen.

Eine Absichtserklärung für Landstrom unterzeichnete Bundeswirtschafts- und Energieminister Peter Altmaier (CDU) am Donnerstag in Kiel. Mit dabei waren Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sowie weitere Spitzenvertreter aus Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern.

Anreiz für Reedereien: Begrenzung der EEG-Umlage

Was in vielen skandinavischen Ländern schon längst alltäglich ist, soll sich auch in Deutschland durchsetzen: Landstromanlagen, die Kreuzfahrt- oder Containerschiffe mit Strom versorgen, damit diese nicht den Motor im Hafen laufen lassen müssen und CO2 ausstoßen. Als Anreiz für Reedereien soll die EEG-Umlage für Landstrom auf 20 Prozent begrenzt werden.

Als Anreiz für Häfen, Landstromanlagen zu bauen, will der Bund laut Altmaier 140 Millionen Euro Fördergeld in die Hand nehmen: "Wir wollen erstens erreichen, dass der Landstrom bei der EEG-Umlage besser behandelt wird. Und wir wollen zweitens den Aufbau der Infrastruktur finanziell unterstützen. Der Bund leistet seinen Beitrag in einer dreistelligen Millionenhöhe."

Man wolle deutsche Hafenstädte sauberer machen, so der CDU-Politiker. Stimmen Bundestag und Bundesrat den Regeln zu, könnten sie im Laufe des nächsten Jahres in Kraft treten. Der Bund habe das Förderprogramm für den Haushalt 2020 angemeldet. Denkbar sei, dass auch Häfen profitieren, die bereits Landstrom-Anlagen bauen, sagte Altmaier. Auf europäischer Ebene will sich der Bund für eine verbindliche Landstrom-Nutzung durch Kreuzfahrt- und Containerschiffe einsetzen. So soll vermieden werden, dass Reeder wegen der Kosten von deutschen Häfen auf Standorte im Ausland ausweichen.

Landstromanlagen werden bislang selten genutzt

In Schleswig-Holstein ist Kiel der bisher einzige Hafen, der eine Landstromanlage hat. Die steht am Norwegenkai und wird bisher nur von den Fähren der Reederei Color Line genutzt. Ministerpräsident Günther äußerte die Hoffnung, dass auch bereits getätigte Investitionen von der Förderung profitieren könnten - dazu würde zum Beispiel die Anlage in Kiel gehören.

Bild vergrößern
Erst im Mai wurde die erste Landstromanlage in Kiel eingeweiht. Genutzt wird sie seitdem aber nur wenig.

Den ersten Landstromanschluss in Mecklenburg-Vorpommern betreibt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Rostock: Während der Liegezeiten können die Forschungsschiffe dort per Kabel mit Strom versorgt werden. Eine Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe soll im kommenden Jahr in Betrieb gehen.

Der Landesverband Hafenwirtschaft Mecklenburg-Vorpommern begrüßt es sehr, wenn der Landstrom wirtschaftlicher wird. Das würde die Kreuzfahrthäfen im Land deutlich entlasten, sagt Sören Jurrat von der Hafenwirtschaft.

Ausbau in Hamburg beschlossen

Weitere Informationen

Hamburg will mehr Steckdosen für Schiffe

09.10.2019 06:00 Uhr

Hamburg will sein Landstromangebot für Container- und Kreuzfahrtschiffe ausbauen. Der Senat hat ein Konzept beschlossen, das in den kommenden drei Jahren umgesetzt werden soll. mehr

In Hamburg wurde kürzlich ebenfalls der Ausbau des Landstroms beschlossen. An insgesamt acht Anschlusspunkten sollen sich Container- und Kreuzfahrtschiffe künftig mit Strom aus dem Hamburger Netz versorgen können. Bisher können Kreuzfahrtschiffe in Altona Strom "tanken".

Hamburgs Regierungschef Tschentscher betonte die Bedeutung des Landstroms für die Hansestadt. Der Hamburger Hafen liege quasi in der Innenstadt - Schadstoffbelastungen durch Schiffe seien daher ein wichtiges Thema. Er zeigte sich überzeugt, dass Landstrom sich langfristig auch im Containerschiffsverkehr durchsetzen werde, da der Verbraucher sich eine klimaschonende Transportkette wünsche.

Bislang zwei Anlagen in Niedersachsen

In Niedersachsen gibt es derzeit zwei Landstromanlagen - in Cuxhaven und im JadeWeserPort in Wilhelmshaven. Das aber könne sich ändern, wenn der Landstrom günstiger werde, heißt es aus dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium. Dann könnte die Nachfrage nach Landstrom steigen. Deshalb sei es auch gut, wenn der Bund zusätzlich den Aufbau neuer Landstromanlagen fördert, so das Wirtschaftsministerium in Hannover.

Weitere Informationen

Landstrom in Kiel: Kehrtwende von Color Line

09.07.2019 19:30 Uhr

Nach anfänglichem Zögern aufgrund des hohen Preises nutzt die Reederei Color Line während der Liegezeiten nun doch Landstrom im Kieler Hafen. Die Rede ist von "sozialer Verantwortung". mehr

Panorama 3

Neue Staatshilfen für Kreuzfahrtschiffe

21.05.2019 21:15 Uhr
Panorama 3

Landstromanlagen sollen Kreuzfahrtschiffe während der Liegezeiten mit Strom versorgen. Der Kreuzfahrt sind die Kosten dafür zu hoch. Nun sollen Steuerzahler die Reedereien subventionieren. mehr

45 Min

Wie gesundheitsgefährdend sind Schiffsabgase?

25.02.2019 22:00 Uhr
45 Min

In Norddeutschland machen immer mehr Kreuzfahrtschiffe fest. Doch die Ozeanriesen sorgen nicht nur für Glanz, sondern auch für erhebliche Schadstoffbelastungen der Luft. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.10.2019 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:23
Schleswig-Holstein Magazin
03:12
Schleswig-Holstein Magazin
03:14
Schleswig-Holstein Magazin