Das Gebäude der Regiokliniken in Pinneberg.

Bürgermeister: "Pläne für Regiokliniken sind eine Katastrophe"

Stand: 16.09.2021 19:26 Uhr

Die Pläne des Sana-Konzerns, im Kreis Pinneberg einen neuen zentralen Klinikstandort zu bauen, stoßen in Elmshorn und Pinneberg auf Unverständnis. Die Bürgermeister beider Städte sind sauer.

Am Mittwoch wurden die Pläne vorgestellt. Die Regiokliniken in Elmshorn und Pinneberg (Kreis Pinneberg) sollen bis 2030 geschlossen und in einem modernen Neubau vereint werden. Die Bürgermeister beider Städte zeigen sich aufgebracht und wütend: "Für Elmshorn empfinde ich das als eine ziemliche Katastrophe. Wir sind die sechstgrößte Stadt in Schleswig-Holstein mit 52.000 Einwohnern. Die größte Stadt in der Region. Und: Ohne Krankenhaus? Für mich unvorstellbar!", sagt Volker Hatje (parteilos), Bürgermeister von Elmshorn. Mindestens 1.000 Arbeitsplätze seien in seiner Stadt in Gefahr.

Auch seine Amtskollegin, Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg, ist sauer. Sie will für ihre Stadt und die Klinik kämpfen. Denn wegen des Krankenhauses hätten sich auch Spezialisten im Umfeld angesiedelt. Mit einem Neubau müssten die Menschen längere Wege in Kauf nehmen.

Kleine Krankenhäuser haben es schwer

Das Kliniksterben sei ein Problem, sagen Fachverbände mit Blick auf die Patientenversorgung. Vor allem für kleine Krankenhäuser wird es zunehmend schwerer zu überleben, sagt Kerstin Ganskopf vom Verband der Krankenhausdirektoren: "Die kleinen Kliniken verschwinden, weil sie es nicht schaffen, aufgrund der Flut von gesetzlichen Rahmenbedingungen die Anforderung für die Erbringung von Leistung und von Patientenversorgung in einem Haus voll abzubilden." Weniger Patienten würden demnach auch weniger Geld für die Betreiber bedeuten.

Land: "Grundversorgung muss sichergestellt sein"

Mit dem neuen Klinikum will der Betreiber Sana Doppelstrukturen abschaffen, damit Kosten sparen und die Klinik so auch für Fachkräfte attraktiver machen. Das schleswig-holsteinische Gesundheitsministerium sagt, dass es wichtig sei, die flächendeckende Grundversorgung dauerhaft sicherzustellen. Kommt die neue Klinik in die Nähe der bisherigen Standorte, ist die Grundversorgung aus Sicht der Krankenhausgesellschaft für den Kreis Pinneberg gewährleistet.

Bürgermeister hätten sich Mitsprache gewünscht

Die Bürgermeister der bisherigen Standorte der Regiokliniken befürchten dagegen Nachteile. "Ich hätte mir gewünscht, und da kann ich auch für meine Pinneberger Kollegin sprechen, dass wir in den Prozess der Entwicklung, Strategie, einen ganz neuen Standort, mal zu einem früheren Zeitpunkt eingebunden worden wären. Zumindest vertraulich", moniert Volker Hatje.

Hauptausschuss prüft Gutachten

Der Klinik-Neubau soll nach Wunsch der Geschäftsführung 2030 fertig sein - und bis zu 400 Millionen Euro kosten. Nach Angaben eines Sprechers aus dem Hauptausschuss des Kreises Pinneberg, wollen sich die Abgeordneten jetzt genauer mit einem Gutachten beschäftigen, dass den Neubau empfiehlt. Bis spätestens zum Frühjahr müssten sich die Politiker dafür oder dagegen aussprechen. Gibt es kein eindeutiges Ja, gibt es auch kein Geld vom Land für den Bau, so der Sprecher.

Der Sana-Konzern seinerseits will in den kommenden Wochen für das Projekt werben. So will man auch mit den Menschen in Elmshorn und Pinneberg sprechen, um auf Sorgen und Ängste zu reagieren und diese auszuräumen.

Weitere Informationen
Der Einang der Regio Kliniken - Klinkum Elmshorn.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 16.09.2021 | 19:30 Uhr

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