Stand: 11.04.2019 07:38 Uhr

Bluttests bei Schwangeren in der Diskussion

von Constantin Gill

Schwangere wollen wissen, ob mit ihrem Kind alles stimmt. Das weiß Doris Scharrel aus ihrer langjährigen Berufspraxis. Die Vorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte in Schleswig-Holstein sagt: "Heutzutage nimmt man bestimmte Dinge nicht einfach als gegeben hin, sondern will versuchen auch im Vorwege alles mögliche auszuschließen, das eine Rolle spielen könnte, bei der Gefahr ein nicht gesundes Kind zu gebären." Und dazu gehören auch die Blutuntersuchungen, mit denen festgestellt werden kann, ob das Kind eine Trisomie hat - etwa das Down-Syndrom. Diese "nicht-invasive pränatale Diagnostik" sorgt für Diskussionen.

Sorge vor gesellschaftlichem Druck

Allzu häufig wird diese Untersuchung bisher noch nicht gemacht, berichtet Scharrel. Wohl auch, weil sie Geld kostet - rund 200 Euro. Das würde sich ändern, wenn die Kassen diese Leistung übernehmen würden. Scharrel befürchtet, dass das schwangere Frauen unter Druck setzen könnte, die Untersuchung zu machen. Dabei hätten sie aber auch das Recht auf Nichtwissen: "Vor der allerersten Ultraschalluntersuchung klärt man die Frau auf, dass sie auch ein Recht auf Nichtwissen hat." Und dass ihr - oder dem Arzt - keine Nachteile erfahren, wenn sie die Untersuchung nicht machen.

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Gesellschaftlicher Druck dürfe nicht entstehen, warnt auch Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). Er sagt: Eine Kassenleistung dürften die Tests nur werden, wenn Mütter eine "exzellente Aufklärung" bekämen. Er wünscht sich, "dass in einer solchen Aufklärung in Zukunft besser darüber informiert werden, wie eigentlich tatsächlich ein Leben mit Down-Syndrom aussieht." Auf keinen Fall dürfe - ob nun in einem Aufklärungsgespräch oder in der gesellschaftlichen Debatte - der Eindruck entstehen, dass ein Leben mit Down-Syndrom etwas ist, was es zu vermeiden gilt."

Eine Glaubensfrage?

Doch genau das befürchtet etwa die katholische Kirche. Beate Bäumer, die Leiterin des Katholischen Büros Schleswig-Holstein sagt: "Man muss sich ja nichts vormachen, die Tests werden ja in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft gemacht. Genau deshalb, weil man dann noch zu einer Abtreibung innerhalb der Frist kommen könnte." Wenn die Tests eine Kassenleistung würden, dann führe das letztlich zu einem "reinen Screening auf Behinderung", so Bäumer. Und das würde dann noch mit dem "Gütesiegel Kassenleistung" versehen. Die evangelische Kirche sieht es ganz anders: Sie befürwortet eine Aufnahme in den Kassenkatalog - aber Beratung müsse dann auch dazugehören und bezahlt werden.

Blutprobe in einem Reagenzglas © fotolia.com Foto: Shawn Hempel

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Viele Erkrankungen werden mit Test nicht entdeckt

Was das "ureigene" Sicherheitsbedürfnis der schwangeren Frauen angeht, weist Frauenärztin Warrel noch auf einen weiteren Aspekt hin: Werdende Mütter sollten sich nicht allein auf besagte Bluttests verlassen: "Es gibt ein Riesenspektrum an kindlichen Fehlbildungen und Stoffwechselerkrankungen, die damit nicht entdeckt werden." Viel wichtiger seien etwa Ultraschall, Blutdruckmessung und das Überprüfen des Gewichts.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.04.2019 | 08:00 Uhr

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