Stand: 16.08.2020 06:00 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Auch auf Hallig Hooge: Warften werden verstärkt

Von wegen ruhiges Leben auf der Hallig: Ständig klingelt das Handy von Annemarie Lübke, dann folgt wieder eine Baubesprechung - im Moment meist telefonisch - zwischendurch spricht sie dann noch mit den Bauarbeitern Details ab. "Ich bin sozusagen Vermittlerin und übersetze zwischen Landesbehörden, Halligbewohnern und allen anderen Akteuren." Annemarie Lübke ist Leiterin des Projekts "Hallig 2050". Im Besprechungsraum breitet sie auf dem Tisch den Bauplan vor sich aus.

Neue Warftform soll besser vor Sturmfluten schützen

Was draußen vor den großen Fenstern gerade gebaut wird, ist auf dem bunten Bauplan im Detail zu sehen: Der Befestigungsring, der die Warft umgibt, wird verstärkt. Zunächst wurde die alte Erde abgetragen und dann Sand aufgespült. Dieser wurde vorher aus der Nordsee vor Sylt abgepumpt. Oben drauf kommt dann eine weitere Schicht Erde. Aber auch die Form der Warft ist nun eine andere.

"Neu daran ist, dass die Landesregierung in ihrer Philosophie jetzt von der bisherigen Form abgegangen ist. Die war auch nicht zukunftsfähig. Denn wenn da mal Wasser drüberschwappt, steht das Ganze lange an den Häusern. Man hat jetzt die neue Richtung, dass Plateaus gebaut werden, sozusagen als Anbau an die alte Warft." Annemarie Lübke vergleicht diese neue Warftform mit der eines Schiffes.  

Umdenken durch Sturmtief "Xaver"  

Wie drastisch die Situation tatsächlich ist, haben viele Halligbewohner vor sieben Jahren zu spüren bekommen: Drei Tage lang peitschte der Sturm das Wasser an die Warften - überall in Norddeutschland haben die Menschen das Sturmtief zu spüren bekommen, auf den Halligen aber besonders. "Das hat viele zum Nachdenken gebracht", sagt Annemarie Lübke, während sie durch die Fenster auf die Baustelle guckt.

Millionen für den Schutz der Halligen

Nicht nur hier, sondern auch in Kiel hat sich nach "Xaver" etwas getan: Die Landesregierung hat das Projekt "Hallig 2050" auf den Weg gebracht. 3,6 Millionen Euro kostet allein die Verstärkung der Hanswarft auf Hooge. Auch auf Langeness, Gröde und Nordstrandischmoor laufen Warftverstärkungsprojekte. Und das, obwohl die bewohnten Warften erst 2013 verstärkt wurden. Die Baumaßnahmen, die nun laufen, sind Pilotprojekte. Wissenschaftler haben errechnet, dass die neuen Maßnahmen die Halligen und ihre Bewohner jahrzehntelang schützen. Ob das, was nun passiert, ausreicht, kann aber niemand ganz genau sagen.

Positiver Nebeneffekt: Neue Baugrundstücke für Hooge

Annemarie Lübke schnappt sich Klemmbrett und Bauplan, geht raus und zeigt auf eine der Flächen: "Auf den Plateaus entstehen neue Baugrundstücke - insgesamt vier Stück." Eine der Flächen ist bereits fertig und bebaut, dort steht nun der neue, kleine Supermarkt der Hallig. Und die Hanswarft bekommt gerade eine neue Zufahrtsstraße. Am Rande der Baustelle trifft Annemarie Lübcke den Leiter der Schutzstation Wattenmeer auf Hooge, Michael Klisch. Für den Verein sind die neuen Grundstücke ein Glücksfall, denn Bauland ist rar auf einer Hallig. Der Verein will nun auf einem der Plateaus neu bauen.

Der Wettlauf gegen die Zeit

Michael Klisch wohnt seit 17 Jahren auf Hooge und hat vorher schon seinen Zivildienst auf der Hallig absolviert. Er beobachtet die Veränderungen hier draußen ganz genau: "Langfristig wird jede Warft auf jeder Hallig eine solche Verstärkung brauchen, da der Meeresspiegel steigt", so schätzt er es ein und ergänzt: "Grundsätzlich ist es gut, dass die Landesregierung so viel Geld in die Halligen steckt. Aber die Genehmigungsverfahren dauern einfach zu lange. Ich hoffe, dass das nur bei den Pilotprojekten jetzt so ist und dann mehr Routine reinkommt. Der Meeresspiegel steigt kontinuierlich und man kommt sonst mit den Warftverstärkungen nicht hinterher."

Fast scheint es so, als gebe es einen Wettlauf zwischen Bürokratie und Anstieg des Meeresspiegels. Mit der Planung für die Maßnahmen, die gerade auf Hooge laufen, wurde vor gut fünf Jahren begonnen. Viel Zeit ist seitdem vergangen. Annemarie Lübke geht aber davon aus, dass die Arbeiten noch in diesem Herbst abgeschlossen werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 23.08.2020 | 20:20 Uhr

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