Stand: 02.12.2019 15:57 Uhr

Arbeitsrechtler: Weihnachtsgeld auch für Mini-Jobber

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Obwohl sie Anspruch darauf hätten, bekommen viele Mini-Jobber laut Gewerkschaften keine Sonderzahlungen.

Viele der mehr als 250.000 Mini-Jobber in Schleswig-Holstein haben Anspruch auf Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Die Gewerkschaften Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und ver.di gehen davon aus, dass viele es aber nicht bekommen. Auch Arbeitsrechtler sagen, dass nicht alle Arbeitgeber Mini-Jobber als das betrachten, was sie sind - "nämlich vollwertige Mitarbeiter. Viele Unternehmer glauben, für Mini-Jobber gelten andere Regeln", meint der Kieler Anwalt für Arbeitsrecht, Jan Wriedt. Er meint, dass viele Arbeitgeber davon überzeugt sind, dass die geringfügig beschäftigten Mitarbeiter nur für die Stunden, die sie arbeiten, bezahlt werden müssen.

Doch das sei falsch, so Wriedt: "Für Mini-Jobber gelten dieselben Regeln wie für versicherungspflichtige Arbeitnehmer. Sollten sie kein Weihnachts- oder Urlaubsgeld erhalten, obwohl andere Mitarbeiter im Unternehmen diese Leistungen bekommen, könnte eine Ungleichbehandlung vorliegen." Er empfiehlt Betroffenen, den Arbeitgeber anzuschreiben und sich gegebenenfalls rechtlich beraten zu lassen.

Gewerkschaft: "Es gelten für alle die gleichen Rechte"

Ver.di-Sprecher Frank Schischefsky macht außerdem darauf aufmerksam, dass Mini-Jobber auch Ansprüche haben, wenn sie wegen Krankheit ausfallen. "Jeder, der einen 450-Euro-Job hat, hat die gleichen Rechte wie jeder andere Arbeitnehmer - also auch auf Entgeldfortzahlung im Krankheitsfall", sagt Schischefsky. Der Geschäftsführer des Unternehmensverband Nord, Sebastian Schulze, kann nach eigenen Angaben nicht ausschließen, dass es unter den Firmen in Schleswig-Holstein schwarze Schafe geben könnte, die sich nicht an die geltenden Regeln halten. Häufig gebe es einfach Unkenntnis bei den Arbeitgebern, aber auch bei den Mini-Jobbern. Auch Schulze rät, das Gespräch zu suchen.

Weihnachtsgeld auf mehrere Monate aufteilten

Wenn Mini-Jobber dann die Zahlung erhalten, kann es allerdings problematisch werden, wenn dadurch das monatliche Entgelt so sehr erhöht wird, dass die zulässige Mini-Job Grenze von monatlich 450 Euro überschritten wird. Dann wird aus dem Mini-Jobber ein versicherungspflichtiger Arbeitnehmer. Nach Angaben von ver.di kann es der geringfügig beschäftigte Mitarbeiter umgehen, wenn das Weihnachtsgeld auf mehrere Monate aufgeteilt wird.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 02.12.2019 | 12:00 Uhr

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