Stand: 18.05.2021 11:22 Uhr

Antisemitische Hetze auch vermehrt in Schleswig-Holstein

Seit dem Aufflammen der Gewalt im Nahost-Konflikt häufen sich auch in Schleswig-Holstein Meldungen über antisemitische Aktionen. Die unabhängige Meldestelle für Antisemitismus berichtet über vermehrte Attacken auf Juden und Jüdinnen.

Auf pro-palästinensischen Demonstrationen in Flensburg und Kiel wurden laut Landesweiter Informations- und Dokumentationsstelle Antisemitismus antisemitische Parolen gerufen. Auch habe es eine körperliche Attacke auf einen Gegendemonstranten mit einem judenfeindlichen Ausruf gegeben, hieß es auf NDR Anfrage. Und: Die Raktenangriffe im Nahen Osten führen den Angaben zufolge vermehrt zu Drohungen und Beschimpfungen im Internet, gezielt gerichtet an Jüdinnen und Juden auch in Schleswig-Holstein.

 

Carstensen: Antisemitische Äußerungen auf Demos sind nicht akzeptabel

Das erfülle ihn mit großer Sorge, sagt der Landesbeauftragte für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Peter Harry Carstensen: "Diesen hasserfüllten Antisemitismus, den wir in diesen Tagen ganz offen auf den Straßen sehen oder in den sozialen Medien beobachten, der erfüllt mich schon mit einer großen Sorge. Man kann natürlich demonstrieren, aber dieses zu nutzen, um antisemitisch sich zu äußern, ist nicht akzeptabel." Die Politik, so der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, müsse darüber nachdenken, ob es im Strafrecht nicht Handlungsspielräume gebe, um bei antisemitischer Hetze härter reagieren zu können.

Israels Botschafter will stärkeren Schutz jüdischer Einrichtungen

Nach Vorfällen in Deutschland hatte Israels Botschafter Jeremy Issacharoff einen verstärkten Schutz jüdischer Einrichtungen gefordert. Er bitte die Behörden dringend, alles dafür zu tun, die Sicherheit der Juden in Deutschland zu gewährleisten, sagte Issacharoff am vergangenen Freitag im ARD Morgenmagazin. Die israelische Regierung sei sehr besorgt über die Vorfälle. Er betonte, dass der Konflikt im Nahen Osten nichts mit der jüdischen Gemeinde in Deutschland zu tun habe.

Weitere Informationen
Rebecca Seidler © dpa Foto: Julian Stratenschulte

Gewalt gegen Juden stoppen: "Jetzt sind alle gefragt"

Ein Gespräch mit der Vorsitzenden der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Hannover, Rebecca Seidler, über die antisemitischen Proteste. mehr

Zwei Hände halten eine Kippa. © picture alliance/Sina Schuld/dpa Foto: Sina Schuld

Synapsen: Der ewige Antisemitismus

Antisemitismus gibt es seit zweitausend Jahren. Die Wissenschaft versucht herauszufinden, warum er so stabil ist. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.05.2021 | 12:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Portraitfoto von Stefan Seidler © Picture Alliance / dpa Foto: Christoph Soeder

Serie vor der Bundestagswahl in SH: Politik trifft Realität

Spitzenkandidaten treffen Bürger an einem ihnen vorher nicht bekannten Ort - und beantworten auch User-Fragen. Dieses Mal mit SSW-Spitzenkandidat Stefan Seidler. mehr

Videos