Stand: 07.11.2019 16:20 Uhr

Albrecht will Bergung von Munition im Meer anschieben

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Die Munitionsaltlasten aus dem Zweiten Weltkrieg sind eine latente Gefahr für Mensch und Umwelt.

Es ist eine Gefahr, die in der Tiefe lauert: In Nord- und Ostsee liegen laut einer Schätzung von Bund- und Ländern rund 1,6 Millionen Tonnen Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. Nur in Einzelfällen werden die Munitionsaltlasten entfernt, doch das soll sich ändern. Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) will das Thema auf die Tagesordnung der Umweltministerkonferenz in der kommenden Woche in Hamburg setzen. Die Küstenländer Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen wollen mit einem gemeinsamen Antrag eine Handlungsstrategie initiieren, damit Bund, Länder und die EU das lange vernachlässigte Problem anpacken.

Gefahr für Mensch und Umwelt

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Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) will eine umfassende Initiative zur Munitionsbeseitigung im Meer starten.

Studien zeigten, dass Muscheln und Fische durch aus Munition ausgetretenen Giftstoffe belastet seien und in die Nahrungskette gelangen könnten - ein Problem, das durch den Zerfall von Munition zuzunehmen drohe. Laut einer Auswertung eines Kieler Unternehmens liegen unter anderem in der Kiele Förde, vor Fehmarn oder auch südlich von Sylt zahlreiche Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg. Momentan gehe von ihnen zwar noch kaum eine Gefahr aus, aber wenn sie in einigen Jahrzehnten instabil werden sollten, sei es zu spät, erklärt Albrecht.

Ein Taucher vor einer zu sprengenden Mine in der Ostsee © Kampfmittelräumdienst des LKA

Munitionsrest: Albrecht fordert Handlungsstrategie

NDR 1 Welle Nord - Nachrichten für Schleswig-Holstein -

In Nord- und Ostsee liegen laut einer Schätzung von Bund- und Ländern rund 1,6 Millionen Tonnen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Umweltminister Albrecht setzt das Thema auf die Bundesagenda.

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"Es geht um gesundheitliche Gefährdungen für die Menschen, und natürlich können auch Detonationen passieren", sagt der Minister. Insofern sei es schon jetzt wichtig, sich darüber Gedanken zu machen. Untersuchungen haben laut Albrecht außerdem belegt, dass einige Muschelarten durch giftige Rückstände aus den Munitionsresten schon leicht belastet sind.

"Das Problem 50 Jahre lang verneint"

Geht es nach Albrecht, sollen die Sprengkörper, Torpedos und andere Munitionsreste in den nächsten Jahrzehnten geborgen werden. Der Staat habe das Problem 50 Jahre lang verneint. In der deutschen Nordsee liegen laut Albrecht etwa 1,3 Millionen Tonnen Munition und in der deutschen Ostsee 300.000 Tonnen. Hinzu kommen in der Ostsee etwa 40.000 Tonnen chemische Waffen und etwa 280.000 Tonnen in der Nordsee. "Auf einen Güterzug verladen, hätte dieser eine Länge von 3.000 Kilometern - würde also von Kiel bis Rom reichen", sagte ein Fachmann des Ministeriums. Doch die Beseitigung ist auch eine Frage des Geldes. Denn das Bergen eines einzigen Sprengkörpers kostet rund 30.000 Euro.

Sprengung einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg vor der Küste Estlands © NDR/Radio Bremen/Lür Wangenheim

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.11.2019 | 15:00 Uhr

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