Der Unternehmer Daniel Paulig aus Flensburg steht vor einem Flugzeug. © NDR

Afghanistan: Unternehmer aus Flensburg scheitert bei Rettung

Stand: 18.08.2021 12:22 Uhr

Daniel Paulig aus Flensburg hat eine Firma in Afghanistan und macht sich große Sorgen um seine Angestellten. Er versucht sie zu retten, scheitert aber bislang an bürokratischen Hürden.

Vor 14 Jahren hat es Daniel Paulig nach Afghanistan verschlagen: "Damals war es ein Abenteuer. Das Geld hat gelockt", erzählt der Geschäftsmann. Er hatte einen Vertrag mit der Bundeswehr als Unternehmer und Dienstleister. Seine Männer bauten im deutschen Militärcamp Marmal Hangars und reparierten Zäune. Nun, nach dem Umsturz der Taliban, versinkt das Land im Chaos. Paulig selbst hat Afghanistan im Juni verlassen, während seine afghanischen Angestellten und Geschäftspartner dort bleiben mussten. "Ich habe Angst, dass die Sharia angewendet wird - bei allen, die mit dem Westen zusammengearbeitet haben", erläutert er seine Sorgen. Seinen Mitarbeitern hat Paulig Hilfe versprochen. Er versucht Visa zu organisieren - bislang allerdings ohne Erfolg.

Keine Visa für Angestellte privater Vertragsnehmer

Das Bundesverteidigungsministerium weiß von Pauligs Mitarbeitern. Auf Anfrage teilte ein Sprecher mit, Visa für Ortskräfte gebe es bislang nur für diejenigen Afghanen, die direkt für die Bundeswehr oder bestimmte gemeinnützige Organisationen gearbeitet haben - und nicht für private Vertragsnehmer wie Paulig. "Wir reden hier vielleicht von 2.000 zusätzlichen Leuten. Kommt es darauf jetzt an?" Diese Frage stellt Paulig seit Monaten immer wieder, an mehrere Bundesministerien und das Kanzleramt. Aber eine abschließende Antwort hat er bislang nicht bekommen.

Wadephul macht Hoffnung: "Will mich um den Fall kümmern"

Hoffnung dürften Paulig nun die Worte des schleswig-holsteinischen Bundestagsabgeordneten Johann Wadephul (CDU) machen. Wenn er das Flensburger Beispiel richtig verstanden habe, sagte Wadephul live im Schleswig-Holstein Magazin, gehe es um eine Privatfirma, die mit der Bundeswehr zusammengearbeitet habe: "Insofern gehe ich von einer Gleichstellung aus."

Er wolle sich um diesen Fall kümmern und werde mit der Flensburger Firma Kontakt aufnehmen, so Wadephul. Alle, die mit deutschen Institutionen zusammengearbeitet und der Bundesrepublik bei diesem schwierigen Einsatz geholfen hätten, könnten sich darauf verlassen, dass alles versucht werde, sie außer Landes zu bringen, erklärte der Bundestagsabgeordnete.

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