Stand: 26.05.2016 10:16 Uhr

AKW-Rückbau: Wohin mit dem Meiler-Müll?

Bild vergrößern
Energiewende- und Umweltminister Robert Habeck diskutiert mit Demonstranten aus Achterwehr über die geplante Entsorgung des Meiler-Mülls.

Wohin soll der Bauschutt, wenn die Atomkraftwerke in den kommenden Jahren nach und nach verschwinden sollen? Am Mittwoch hat Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) in Kiel mit Deponiebetreibern und Bürgermeistern genau darüber beraten: Wo könnte der Müll gelagert werden? Sieben Deponien kommen dafür in Frage. Doch bei dem Treffen stand vor allem die Frage im Raum: Ist es Atommüll oder nicht?

Strahlenbelastung ungefährlich?

Nein, sagte Habeck. Es gehe ausschließlich um nicht recycelbaren Müll mit vernachlässigbarer Radioaktivität, der bei einer Deponierung unter den Grenzwerten der Strahlenschutzverordnung liege. Dazu gehören Bauschutt, asbesthaltige Abfälle, Mineralwolle oder Straßenaufbruch. Insgesamt gehe es um 35.000 Tonnen der drei schleswig-holsteinischen Meiler, so Habeck. Der Abfall, der nur ein Bruchteil des gesamten Bauschutts ausmacht, müsste über einen Zeitraum von 22 Jahren deponiert werden. Habeck schlägt eine möglichst gerechte Aufteilung vor: "Ob das gelingt kann ich heute nicht sagen." Die Menge selbst sei nicht das Problem, so der Grünen-Minister, da die Deponien jährlich zusammen 700.000 Material aufnehmen. Auch liege die Radioaktivitätswert des Materials weit unter der Alltagsbelastung der Menschen. Das Problem sei die Herkunft aus einem Atomkraftwerk. Habeck äußerte Verständnis für die Ängste der Bevölkerung.

Achterwehr befürchtet radioaktiven Müll

Eine Bürgerinitiative aus Achterwehr (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hat sich vor wenigen Tagen gegründet, nachdem die Pläne bekannt wurden. Rund 40 Vertreter demonstrierten am Mittwoch vor dem Ministerium - auch hat Angst vor möglicherweise strahlendem Müll in ihrer Nähe, auf der Deponie Schönwohld. Initiativensprecher Matthias Radant bescheinigte Habeck ein faires und sachliches Gespräch. Der Minister habe eine 100-prozentige Kontrolle aller Abfallchargen zugesagt, was gut sei. Aber: "Wir betrachten den Müll weiter als radioaktiv belastet", sagte Radant. "Wir wollen diesen strahlenden Müll nicht 200 Meter vom Wohngebiet entfernt haben."

Habeck will noch in diesem Sommer Klarheit

Nach dem Treffen mit Deponiebetreibern, Bürgermeistern und Landräten zeigte sich Habeck verhalten optimistisch. Die Gesprächsatmosphäre sei überraschend konstruktiv gewesen. Er strebt noch in diesem Sommer eine Verständigung an. Sein Ministerium wolle in die Gemeinden gehen, Transparenz herstellen und die Verfahren regelmäßig überprüfen. Auch könnten Gutachter eingeschaltet werden. Die Verträge selbst werden zwischen dem AKW-Betreiber und der jeweiligen Deponie abgeschlossen.

Auf diesen sieben Deponien könnte bald Bauschutt vom AKW-Rückbau gelagert werden.

Für die abgeschalteten Kraftwerke Krümmel und Brunsbüttel hat Betreiber Vattenfall den Abriss beantragt, während Brokdorf noch am Netz ist. Der Rückbau in Brunsbüttel soll voraussichtlich 2018 beginnen. Um 2030 soll die Anlage aus dem Atomrecht entlassen werden, also frei von radioaktiven Stoffen sein. Dann könnte das Gebäude abgerissen werden. In Krümmel dürfte das etwa zwei Jahre später geschehen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.05.2016 | 20:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:32
Schleswig-Holstein Magazin
02:50
Schleswig-Holstein Magazin
01:42
Schleswig-Holstein Magazin