Stand: 30.11.2018 11:25 Uhr

A7-Steinwürfe: Prozess ohne Öffentlichkeit

Elf Mal flogen zwischen Februar und Mai dieses Jahres Steine von Brücken in Flensburg und Umgebung auf vielbefahrene Straßen - die A7 und die B200. Sie trafen acht Autos, zwei Lastwagen und einen Bus. Eine Autofahrerin wurde dabei schwer verletzt. Zwei 19-Jährige sind wegen versuchten Mordes vor dem Flensburger Landgericht angeklagt. Nun hat das Gericht auf Antrag der Verteidiger entschieden, die Öffentlichkeit auszuschließen. Die Vorsitzende Richterin sagte am Freitag, die schutzwürdigen Interessen der zur Tatzeit 18 Jahre alten Angeklagten überwögen.

Angeklagte "besonders verletzlich"

Die Kammer verkenne nicht, dass unter anderem der konkrete Tatvorwurf - darunter versuchter Mord in vier Fällen - ein Interesse der Öffentlichkeit rechtfertige, sagte die Richterin. Auch haben die vorgeworfenen Taten in der Öffentlichkeit stattgefunden. Aber die beiden Heranwachsenden seien unter anderem aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur besonders verletzlich. Es drohten bei einer öffentlichen Verhandlung erhebliche Nachteile für ihre persönliche und soziale Entwicklung. Die Kammer gab damit einem entsprechenden Antrag der Verteidiger statt, den diese zu Prozessbeginn in der vergangenen Woche noch vor Verlesung der Anklage gestellt hatten.

46-Kilogramm-Feldstein trifft Pkw

Die folgenschwerste der vorgeworfenen Taten hatte sich am 8. Mai 2018 ereignet. Die beiden Angeklagten sollen laut Staatsanwaltschaft einen etwa 46 Kilogramm schweren Feldstein gemeinsam auf die Autobahnbrücke Gottrupel zwischen Ellund und Harrislee transportiert haben. Einer der Männer soll den Stein von der Brüstung gestoßen haben, als sich gegen 22.25 Uhr ein Auto näherte.

Der Stein durchschlug die Windschutz- und die Heckscheibe des etwa 120 km/h schnellen Wagens. Die Fahrerin - Nebenklägerin im Prozess - wurde schwer verletzt und erlitt einen Schock. Überlebt hat die Frau den Unfall nach Auffassung der Staatsanwaltschaft lediglich, weil der Feldstein eher auf der Beifahrer- als auf der Fahrerseite des Autos einschlug. In anderen Fällen verfehlten Steine nur knapp Autos. Einige Fahrer konnten gerade noch bremsen oder ausweichen.

Große Jugendkammer führt Prozess

Der Prozess wird vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts geführt. Nach dem Auftakt sind acht Verhandlungstage bis zum 4. Januar terminiert.

Prozess nach Steinwürfen auf der A 7

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 30.11.2018 | 11:00 Uhr

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