Wippingen: Demonstranten fordern mehr Schutz vor Wölfen

Stand: 13.06.2021 10:13 Uhr

Hunderte Landwirte, Schäfer, Jäger und Bewohner haben im emsländischen Wippingen gegen eine steigende Wolfspopulation protestiert. Vor Kurzem soll ein Wolf in der Gemeinde eine Kuh gerissen haben.

Den Wolf zu erschießen sei keine Option, sagte der Organisator der Kundgebung, Rudi Schlangen. Aber es müsse dem Wolf verdeutlicht werden, dass er sich Nutztieren und Menschen nicht annähern dürfe. "Wir treffen uns, um unsere Sorgen zu transportieren, damit das Problem nicht verharmlost wird", betonte Matthias Everinghoff, Sprecher der Bauerninitiative "Land schafft Verbindung", am Sonnabend. Es sei denkbar, dass die Raubtiere auch Menschen angreifen könnten, hieß es. Zu der Kundgebung angemeldet waren 500 Teilnehmer, nach Polizeiangaben waren 750 Menschen bei der Veranstaltung. Gemeinsam forderten sie die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht und eine Obergrenze für die Anzahl der Wölfe.

Politiker aus der Region: "Zumutbarkeitsgrenze längst überschritten"

"Mit dieser Veranstaltung soll sichtbar gemacht werden, dass hier dringender Handlungsbedarf ist, wenn ein Wolf in Siedlungsgebiete eindringt", sagte Andrea Kötter, Vorsitzende des SPD-Kreisverbands. Auch für den CDU-Landtagsabgeordneten und Schafzüchter Bernd Busemann ist "die Zumutbarkeitsgrenze längst überschritten". Obendrein nehme die Zahl der Wolfssichtungen zu. "Ich habe sogar den Eindruck, die staatlichen notierten Zahlen stimmen nicht", so Busemann weiter. Er geht davon aus, dass es mehr Tiere und Rudel gebe.

Connemann und Lies für Gesetzesänderung

Die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann (CDU) aus Leer sprach sich dafür aus, verhaltensauffällige Wölfe zu erschießen - und zwar schnell und ohne aufwendige Bürokratie. Den strengen Artenschutz des Tieres müsse die Bundesregierung aufheben. Auch Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) forderte, das Bundesnaturschutzgesetz anzupassen.

350 Wölfe leben in Niedersachsen

Unabhängig von der Kundgebung am Sonnabend hat eine Wippinger Bürgerinitiative 3.500 Unterschriften für den Abschuss eines der Wölfe gesammelt. Die hat sie am Freitag Landrat Marc-André Burgdorf (CDU) übergeben. Burgdorf hat bereits angekündigt, dass es keinen Abschuss geben werde. Der Wolf sei geschützt, es gebe hohe rechtliche Hürden für einen Abschuss. Die seien in Wippingen nicht erfüllt, sagte Burgdorf. In Niedersachsen leben laut Umweltministerium etwa 350 Wölfe.

Weitere Informationen
Ein Wolf steht auf einem Weg bei Sögel im Emsland. © picture alliance Foto: imageBROKER | W. Rolfes

3.500 Unterschriften: Wippinger fordern Abschuss von Wolf

In dem Dorf im Emsland werden immer wieder Wölfe gesichtet. Ende Mai war eine 800 Kilogramm schwere Kuh gerissen worden. (11.06.2021) mehr

Ein Wolf läuft auf einem Weg in einem Wald. © NABU/Kathleen Gerber Foto: Kathleen Gerber

Kuh-Riss in Wippingen: Lies zeigt Verständnis für Sorgen

Der Landkreis müsste einen Antrag auf Entnahme eines Wolfes prüfen, so Lies. Wenn die Tiere die Scheu verlieren würden. (31.05.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 12.06.2021 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Nederland («Niederlande») steht auf einem Schild an der Grenze zwischen den Niederlanden und Deutschland. © picture alliance/dpa Foto: Friso Gentsch

Grenzregion reagiert gelassen auf Einstufung der Niederlande

Die Niederlande sind ab Dienstag Corona-Hochinzidenzgebiet. Im Emsland wird sich dennoch vorerst wenig ändern. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen