Stand: 12.10.2018 11:59 Uhr

TÜV fordert bessere Windrad-Prüfung

Im emsländischen Rhede brennt eine Windkraftanlage, ein Rotorblatt stürzt zu Boden, die Feuerwehr muss das Windrad kontrolliert abbrennen lassen - einer von mindestens drei Unfällen mit Windrädern allein in diesem Jahr in Niedersachsen, wie die windenergiekritische Initiative Vernunftkraft gezählt hat. Solche Vorfälle könnten seltener vorkommen, wenn die Windräder besser kontrolliert würden, sagt der TÜV-Verband. "Erneuerbare Energien sind unsere Zukunft. Umso wichtiger ist es jetzt, Windräder mit regelmäßigen Prüfungen sicherer zu machen, um die Menschen besser zu schützen und die Akzeptanz für die Erneuerbaren zu erhalten", so Verbandschef Joachim Bühler.

TÜV: Alle zwei Jahre prüfen

Er warnt: Es sei nur eine Frage der Zeit, bis bei Windrad-Havarien Menschen zu Schaden kommen. Denn die Anlagen würden immer näher an Straßen und Siedlungen rücken. Sein Verband fordert von der Bundesregierung, Windkraftanlagen in den Regelungsbereich der Betriebssicherheitsverordnung aufzunehmen. Sie müssten alle zwei Jahre nach verbindlicheren Vorgaben überprüft werden.

Alte Anlagen werden seltener geprüft

Bislang gilt: Anlagen, die vor 2004 gebaut wurden, werden nach einer Richtlinie aus dem Jahr 1993 geprüft, die keine wiederkehrenden Prüfungen vorsieht, so der TÜV-Verband. "Für etwa die Hälfte aller Windräder in Deutschland müssen die Betreiber keine Sicherheitsprüfungen nach einheitlichen Kriterien von unabhängigen Stellen vornehmen lassen", sagte Bühler. Neuere Anlagen müssen zwar alle zwei Jahre überprüft werden. Bei regelmäßiger Wartung werde der Zeitraum aber auf vier Jahre verlängert. Dieser Zeitraum sei zu lang, so der Verband. Zudem gebe es keine Vorgaben zur Kompetenz und Unabhängigkeit der Sachverständigen.

Bundesregierung will nichts ändern

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Die Bundesregierung hat jedoch bereits im August dieses Jahres einen verpflichtenden TÜV für die Anlagen abgelehnt. "Der Bundesregierung liegen keine Informationen vor, nach denen die aktuellen spezifischen Regelungen für die Genehmigungen beziehungsweise der wiederkehrenden Prüfungen nicht ausreichend sind", hieß es als Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion. Auch der Bundesverband WindEnergie (BWE) hält die gängige Praxis für ausreichend. Die Prüfungen würden von hochqualifizierten unabhängigen Sachverständigen durchgeführt. "Die Konzentration der Prüfungen auf einzelne Organisationen würde das Sicherheitsniveau nicht erhöhen", so Wolfram Axthelm, Geschäftsführer des BWE. Als unbemannte Anlagen würden sich Windräder nicht für eine Aufnahme in die Betriebssicherheitsverordnung eignen, die sich mit Fragen des Schutzes der Beschäftigten befasst.

Initiative sammelt Zwischenfälle

Unklar ist, wie viele Unfälle und Brände mit Windrädern es in Niedersachsen in den vergangenen Jahren gab. Die windenergiekritische Initiative Vernunftkraft hat seit 2016 folgende Zwischenfälle gesammelt:

  • 30.8.2018 Haren, Windrad brennt
  • 03.01.2018 Neu Wulmstorf, Windrad knickt ab
  • 30.10.2017 Westerholt, Windrad brennt
  • 02.02.2017 Melle, Kleinflugzeug fliegt gegen Windkraftanlage
  • 05.08.2016 Scholen, Windrad brennt
  • 07.07.2016 Renkenberge, Windrad brennt
  • 12.04.2016 Frieden/Wispenstein, Rotor-Riss
  • 04.04.2016 Oederquart, Windrad brennt
  • 21.02.2016: Dörpen, Flügel abgebrochen

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.10.2018 | 10:00 Uhr

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