Stand: 12.05.2020 20:00 Uhr

Schlachthöfe: Kritik an Einzelzimmer-Erlass

Ein Einzelzimmer für jeden Schlachthof-Mitarbeiter: Diese Forderung der Landesregierung stößt in den betroffenen Kommunen auf Kritik und Unverständnis. Sögels Samtgemeindebürgermeister Günter Wigbers (CDU) sagte NDR 1 Niedersachsen, dass dies nicht möglich und völlig lebensfern sei. Im emsländischen Sögel, wo beim Schlachthof Weidemark rund 1.800 Osteuropäer arbeiten, gebe es nicht genügend Wohnraum, um eine Unterbringung in Einzelzimmern zu gewährleisten.

Kaum noch Sammelunterkünfte

Die Gemeinde habe bereits seit zehn Jahren ein dezentrales Wohnkonzept, so Wigbers. Die Arbeiter würden aber auch hier zu zweit oder dritt in einem Zimmer wohnen. Sammelunterkünfte gebe es so gut wie keine mehr. Ähnlich ist die Situation nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen auch in den Landkreisen Vechta und Cloppenburg.

Zunächst nur gezielte Tests

Das Sozialministerium hatte die Kommunen per Erlass aufgefordert, Sammelunterkünfte zu überprüfen und auf die Pflicht einer Einzelzimmer-Unterbringung hinzuwirken. Das Problem ist jedoch, dass eine Unterkunft erst dann als Sammelunterkunft gilt, wenn dort mindestens zwölf Personen gemeldet sind. Liegt die Zahl darunter, handelt es sich um eine private Wohngemeinschaft, zu der Kontrolleure keinen Zutritt haben.

Appell an Vernunft der Subunternehmer

Diese Schwierigkeiten werden vom Sozialministerium bestätigt. Man könne letztlich nur an die Vernunft der Subunternehmer appellieren, die Mitarbeiter in Einzelzimmern unterzubringen, sagte eine Sprecherin. Denn wenn Corona den Schlachthof erreiche, werde dieser womöglich geschlossen. In diesem Fall könne auch der Subunternehmer kein Geld mehr verdienen.

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Hallo Niedersachsen | 12.05.2020 | 19:30 Uhr

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