Stand: 07.11.2019 14:25 Uhr

Reinigungskraft erpresst Arbeitgeber: Urteil gültig

Das Urteil gegen eine Reinigungskraft, die ihren Arbeitgeber nach einer Überweisung von 225.000 Euro erpresst hatte, ist rechtskräftig. Die Angeklagte war im Mai vom Amtsgericht Osnabrück zu einer Geldstrafe von 1.200 Euro verurteilt worden. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung nahmen am Donnerstag vor dem Landgericht ihre Berufung gegen das Urteil zurück. Zuvor hatte das Gericht signalisiert, dass es die Entscheidung des Amtsgerichts im Wesentlichen für zutreffend hält. Damit ist das Urteil rechtskräftig.

Personalnummer statt Gehalt eingetippt

Hintergrund der juristischen Auseinandersetzung war ein Missgeschick des Arbeitgebers: Eine Mitarbeiterin des Gebäudedienstleisters soll im Juni 2018 versehentlich die Personalnummer der Angeklagten in das Feld für den auszuzahlenden Lohn eingegeben haben. So erhielt die Frau, die normalerweise pro Monat 340 Euro verdiente, rund 225.000 Euro. Der Arbeitgeber bemerkte den Fehler schnell und forderte das Geld zurück. Die beklagte Frau soll die Rückzahlung aber verzögert und an Bedingungen geknüpft haben. Wegen der versuchten Erpressung ist sie jetzt rechtskräftig verurteilt.

100.000 Euro sind verschwunden

Was die Rückzahlung des Geldes anbelangt, hatten sich der Arbeitgeber und die Reinigungskraft in einem gesonderten zivilrechtlichen Verfahren bereits zuvor auf einen Vergleich geeinigt. Darin hatte sich die 27-Jährige rechtsverbindlich dazu verpflichtet, das von ihrem Arbeitgeber zu viel gezahlte Geld zurückzuzahlen. Nach Angaben ihrer Verteidigerin ist ungefähr die Hälfte des Geldes an den Arbeitgeber zurückgeflossen. Rund 100.000 Euro seien jedoch in verschiedenen Kanälen verschwunden. Nach wie vor sei ihre Mandantin dazu verpflichtet, dieses Geld zurückzuzahlen. Allerdings sei unklar, ob sie jemals dazu in der Lage sein werde, sagte die Verteidigerin. Dem Arbeitgeber bleibt nun die Möglichkeit einer Vollstreckung, wie ein Sprecher des Osnabrücker Landgerichts NDR.de sagte.

Verteidigung mit Ausgang zufrieden

Die Reinigungskraft selbst war zu der Verhandlung nicht erschienen. Nach Angaben ihrer Verteidigerin spricht die Frau kaum Deutsch, weshalb es zu einem Missverständnis bezüglich der Uhrzeit der Verhandlung gekommen sei. Die Verteidigerin konnte jedoch im Rahmen ihrer Vollmacht handeln, ohne dass die Angeklagte anwesend war. Die Verteidigerin zeigte sich mit dem Ausgang des Verfahrens zufrieden.

Weitere Informationen

225.000 Euro zu viel Gehalt - Prozess verschoben

Ein Prozess am Landgericht Osnabrück gegen eine Reinigungskraft verschiebt sich, weil die Frau im Ausland ist. Sie hat versehentlich ausgezahlte 225.000 Euro nicht zurückgezahlt. (31.07.2019) mehr

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Hallo Niedersachsen | 07.11.2019 | 19:30 Uhr

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