Stand: 13.02.2018 22:00 Uhr

Paracelsus streicht 50 Stellen in Osnabrück

Die insolvente Paracelsus-Klinikgruppe hat ihr Konzept für die Sanierung vorgestellt. Demnach sollen allein am Standort Osnabrück etwa 50 Stellen gestrichen werden. 30 Beschäftigte müssen im Klinikbereich gehen, 20 weitere in der Konzernzentrale. Das sagte der Generalbevollmächtigte Reinhard Wichels. Treffen wird es neben Verwaltungskräften voraussichtlich Ärzte und medizinisch-technisches Personal. Der Pflegebereich soll ausgespart werden. Derzeit würden Gespräche mit den Betriebsräten geführt, hieß es weiter.

Augenheilkunde kommt zurück

Das Konzept sieht weitere Schritte vor: So soll unter anderem die Augenheilkunde zurück an den Standort geholt werden. Es sei ein strategischer Fehler gewesen, dass die Augenheilkunde in der Klinik aufgegeben worden sei, so Wichels. Die Klinik müsse verlorengegangene Patienten zurückgewinnen. Auch die ambulante Strahlentherapie und die Urologie sollen wachsen. Zudem solle es eine bessere Verzahnung von ambulanten und stationären Angeboten geben.

Ausrichtung auf Neurochirurgie und Hals-Nasen-Ohren

Im stationären Bereich solle das Profil mit Neurochirurgie, Neurologie, Augenheilkunde, Hals-Nasen-Ohren und Orthopädie weiter geschärft werden. "Das ist ein Konzept, das in sehr vielen Städten von anderen Anbietern erfolgreich betrieben wird", sagte Wichels.

Defizit von 25 Millionen Euro

Der Konzern hatte kurz vor Weihnachten Insolvenz in Eigenregie beantragt. Nach Angaben der Paracelsus-Gruppe beträgt das Defizit rund 25 Millionen Euro. Es gebe bereits Gespräche mit potenziellen Investoren, erklärte Wichels. Er sei überzeugt, dass bis Mitte des Jahres die Neuausrichtung der Paracelsus-Gruppe stehe, sagte Wichels. "Wenn wir den Stellenabbau vollzogen haben, werden wir ganz schnell in eine wirtschaftlich tragfähige Situation kommen", sagte Wichels. Die Defizite seien auf wenige Standorte begrenzt, die meisten Häuser seien wirtschaftlich gesund.

ver.di hofft auf wenige betriebsbedingte Kündigungen

Über die Pläne muss noch der Gläubigerausschuss beraten. Auch ein Einstieg eines Investors sei nicht ausgeschlossen, hieß es. An allen Standorten werden derzeit außerdem Gespräche mit den Betriebsräten geführt. Der Arbeitsplatzabbau in Osnabrück sei hart an der Grenze, so Nicole Verlage, Sprecherin der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Aber: "Uns war bewusst, dass das nicht spurlos vorbeigehen würde. Grundsätzlich befürworten wir, dass die Paracelsus-Kliniken als Konzern bestehen bleiben", sagte sie. Die Gewerkschafterin hofft vor allem auf einen sozialverträglichen Abbau der Arbeitsplätze und möglichst wenige betriebsbedingte Kündigungen.

5.200 Mitarbeitern in ganz Deutschland

Bundesweit sollen insgesamt 400 Stellen abgebaut werden. Darin enthalten ist aber auch die Schließung eines Krankenhauses in Karlsruhe, dort sind 190 Stellen betroffen sind. Paracelsus hat rund 40 medizinische Einrichtungen mit 5.200 Mitarbeitern in ganz Deutschland. In Niedersachsen betreibt die Gruppe außer in Osnabrück auch Kliniken in Bad Essen (Landkreis Osnabrück), Bad Gandersheim (Landkreis Northeim) und Langenhagen (Region Hannover). In Bremen gibt es eine Paracelsus-Klinik, in Schleswig-Holstein zwei.

Weitere Informationen

Paracelsus-Kliniken bauen 400 Stellen ab

Bei der Paracelsus-Klinikgruppe fallen deutschlandweit 400 Jobs weg, auch in Osnabrück. Das sagte der Sanierungsbeauftragte am Dienstag. Es gebe aber Gespräche mit Investoren. (13.02.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 13.02.2018 | 14:30 Uhr

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