Stand: 21.04.2017 10:32 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Osnabrücker Forscher entwickeln "Super-Apfel"

von Susanne Schäfer

"An apple a day keeps the doctor away" - übersetzt: Ein Apfel am Tag erspart den Besuch beim Arzt: Diesem englischen Spruch will ein Osnabrücker Forscher zu noch mehr Wahrheitsgehalt verschaffen. Zwar sind die knackigen Früchte schon jetzt gesund - doch Professor Diemo Daum von der Hochschule Osnabrück will Äpfel auf natürlichem Wege mit mehr Selen ausstatten. Das Spurenelement ist wichtig für den menschlichen Körper. Weil jedoch die europäischen Böden eher selenarm sind, nehmen die Deutschen davon täglich rund 20 Mikrogramm zu wenig auf.

VIDEO: Was steckt drin im Apfel? (1 Min)

Selen-Dünger direkt auf Blätter und Frucht

Das Versuchslabor von Daum und seinem Mitarbeiter Christoph Budke befindet sich unter freiem Himmel: Auf der Plantage im Osnabrücker Stadtteil Haste reiht sich Apfelbaum an Apfelbaum. Und wenn die Bäume bald die ersten Blätter und Früchte tragen, greifen die Forscher zum Dünger. "Der einfachste Weg wäre, dass man den Boden mit selenhaltigem Dünger düngt. Bei Obst ist das aber schwierig, weil nur wenig von dem Spurenelement in der Frucht ankommt", sagt Daum. Deshalb arbeiten die Forscher mit einem neuen Ansatz: Sie sprühen den Selen-Dünger direkt auf Blätter und Frucht. Statt bislang einem Mikrogramm Selen sollen die Äpfel so bis zu 20 Mikrogramm enthalten.

Erste Selen-Äpfel in drei Jahren im Supermarkt?

Der Apfelforscher Diemo Daum und Christoph Budke stehen vor einer Apfelplantage und halten Äpfel in den Händen. © NDR Foto: Susanne Schäfer
"Die Deutschen nehmen zu wenig Selen auf": Die Apfelforscher Diemo Daum (l.) und Christoph Budke wollen das ändern.

Sollte der Plan funktionieren, wäre das eine gute Nachricht für Vegetarier und Veganer. Gegen Selen-Unterversorgung müssen sie derzeit noch entweder viele Paranüsse essen oder Tabletten nehmen. "Wir wollen dazu eine Alternative schaffen", sagt Daum. "Damit man nicht zur Pille greifen muss, sondern mit einem Lebensmittel, das gerne konsumiert wird - der Apfel ist ja das beliebteste Obst in Deutschland - ganz natürlich seine Selenversorgung sicherstellen kann." Ein "Super-Apfel" also? Daum gibt sich bescheiden, will nicht von einem "Super-Apfel" sprechen. Er sei wegen des Spurenelements lediglich noch gesünder als herkömmliche Äpfel. Den Trend der sogenannten Super-Foods sieht der Forscher sogar skeptisch: "Wir wollen einen Apfel haben, den man hinterher nicht in der Apotheke verkaufen muss, sondern im Supermarkt kaufen kann und von dem man auch zwei oder drei essen kann, ohne dass da ein Beipackzettel bei sein muss." Daums Forschung wird vom Bund finanziert. Und wenn die Tests erfolgreich laufen, können die ersten Selen-Äpfel laut Daum bereits in drei bis vier Jahren im Supermarkt liegen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 21.04.2017 | 17:00 Uhr

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