Stand: 23.07.2020 19:05 Uhr

Osnabrück: Fluss Hase ist nach Brand "klinisch tot"

Von einer Brücke in Osnabrück aus werden große Mengen Wasser in den Fluss Hase mit Löschpumpen gespritzt. © Stadt Osnabrück Foto: Gerhard Meyering
Löschpumpen leiten viele Kubikmeter Wasser in die Hase, um die Kontaminierung durch Chemikalien zu verdünnen.

Nach dem Großbrand in einem Gewerbegebiet im Osnabrücker Stadtteil Fledder hat kontaminiertes Löschwasser im Fluss Hase ein massives Fischsterben ausgelöst. Experten sprechen von erheblichen Umweltschäden. Betroffen seien Mikroorganismen, Kleinstlebewesen und Fische, hieß es in einer Mitteilung der Stadtverwaltung. Der Sauerstoffgehalt liege weit unterhalb des kritischen Wertes. Pflanzen schienen resistenter zu sein und weniger Schäden davongetragen zu haben. Der Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz der Stadt, Detlef Gerdts, sagte NDR 1 Niedersachsen, die Hase sei in dem betroffenen Bereich "klinisch tot". Alle Lebewesen seien abgestorben. Es werde bis zu drei Jahre dauern, bis sich der Zustand des Flusses wieder normalisiert habe. Die Trinkwasserqualität sei aber nicht gefährdet, sagt die Stadt.

Technischer Defekt als Auslöser

Wie die Stadt Osnabrück mitteilte, war das mit Chemikalien vergiftete Wasser über ein Regenklärbecken in den Fluss gelangt. "Durch einen technischen Defekt in dem Becken liefen in den ersten Stunden größere Mengen Löschwasser durch ein unterirdisches Abflussrohr in die Hase", sagte Wolfgang Beckermann, Erster Stadtrat in Osnabrück. Das Leck sei abgedichtet worden.

Stadt: Löschwasser konnte nur ins Regenklärbecken fließen

Das Löschwasser habe nur in Richtung des Regenklärbeckens fließen können, hieß es am Mittwoch. Die Umweltbehörde habe gemeinsam mit den Stadtwerken bereits in der Frühphase der Löscharbeiten mit dem Regenklärbecken die einzige Lösung gefunden, um das Löschwasser zu sammeln und abpumpen zu können, heißt es weiter. "Ohne diese Maßnahme wäre noch mehr Löschwasser in die Hase gelangt", so die Stadt. "Es wurden notwendige Maßnahmen getroffen, um das Löschwasser zurückzuhalten und abzusaugen. Zu keinem Zeitpunkt der Löscharbeiten war erkennbar, dass Löschwasser ausgetreten war."

1.800.000 Liter kontaminiertes Löschwasser

Der deutlich überwiegende Teil der 1.800.000 Liter kontaminierten Löschwassers habe abgepumpt werden können. Um das kontaminierte Wasser zu verdünnen, hatte die Feuerwehr bereits am Dienstag Wasser aus dem Klärwerk in den Fluss gepumpt.

Fische wohl vergiftet und erstickt

Für die Fische sei vermutlich sowohl das Gift als auch der Sauerstoffmangel tödlich gewesen. "Die Chemikalien verätzen die Kiemen, das führt zu Sauerstoffmangel", sagte Gerdts. Eingefrorene Fischkadaver seien zur Untersuchung ins Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) gebracht worden. Eine unmittelbare Gefahr für Menschen bestehe nicht. "Wir ziehen kein Trinkwasser aus der Hase", sagte Gerdts. "Reiner Kontakt ist eher unbedenklich - aber auch nicht zu empfehlen." Die Stadtverwaltung warnte die Bevölkerung aber davor, mit dem Schaum auf der Hase oder dem Flusswasser in Kontakt zu kommen oder Haustiere dort auszuführen.

Grüne fordern Aufklärung

Die Grünen im Stadtrat sprachen von einer Umweltkatastrophe. "Wir wollen wissen, wie das mit dem unkontrollierten Abfluss des Löschwassers passieren konnte und wer die Verantwortung trägt", hieß es aus der Fraktion. Die großen Fortschritte bei der Renaturierung der Hase in den vergangenen Jahren seien damit zunichte gemacht worden.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Brandstiftung

Luftaufnahme eines Gewerbegebietes, in dem es brennt. © NonstopNews
Der Feuer wurde laut Staatsanwaltschaft durch einen Mitarbeiter ausgelöst, der Unkraut mit einem Gasbrenner entfernte.

Derweil ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft Osnabrück wegen des Millionen-Feuers in dem Gewerbegebiet. Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, hat offenbar ein Mitarbeiter den Brand am Montagmittag verursacht, als er Unkraut mit einem Gasbrenner entfernen wollte. Der Mann versuchte laut Staatsanwaltschaft, die Flammen zunächst selbst zu löschen. Dabei erlitt er erhebliche Verletzungen und liegt nun im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen fahrlässiger Brandstiftung.

Einer der größten Brände der vergangenen 20 Jahre

Zwei weitere Menschen erlitten laut Feuerwehr leichte Verletzungen. Das Feuer war am Montagmittag auf dem Gelände eines Autohauses ausgebrochen und hatte dann auf die angrenzende Lagerhalle eines Reinigungsmittel-Händlers übergegriffen, wo unter anderem zwei Tonnen leicht entzündliches Ethanol gelagert waren. Bis zu 150 Feuerwehrleute waren am Brandort, um die Flammen zu bändigen. Am späten Nachmittag hatten die Helfer das Feuer dann unter Kontrolle. Die Rauchwolke war kilometerweit zu sehen. Nach Angaben eines Stadtsprechers war dies einer der größten Brände in Osnabrück in den vergangenen 20 Jahren - rund 3.000 Quadratmeter standen in Flammen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 23.07.2020 | 17:00 Uhr

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