Die Aufnahme zeigt die Filteranlage des neuen Erdgasspeichers im ostfriesischen Jemgum. © picture alliance / dpa Foto: Ingo Wagner

Leerer Erdgasspeicher in Rehden: Gazprom wiegelt ab

Stand: 22.09.2021 18:35 Uhr

Europas größter Erdgasspeicher in Rehden (Landkreis Diepholz) ist aktuell nur zu knapp fünf Prozent gefüllt. Der Besitzer - der russische Gazprom-Konzern - weist die Verantwortung von sich.

Ein Gazprom-Sprecher erklärte gegenüber dem NDR in Niedersachsen, dass die Gazprom-Tochter Astora den Speicher zwar betreibe, aber keinen Einfluss darauf habe, was die Kunden dort ein- oder auslagerten. Der Bundestagsabgeordnete und Energieexperte der Grünen, Oliver Krischer, kann das nicht nachvollziehen. Der Energiekonzern Gazprom und seine Töchter seien doch selbst die besten Kunden und somit direkt verantwortlich, was dort eingelagert werde, sagte er. Krischer glaubt, dass Gazprom mit einer kritischen Versorgungslage im Winter drohe, um seine Pipeline Nord Stream 2 schneller in Betrieb nehmen zu können.

Deutlicher Rückgang auch in Jemgum

Im vergangenen Jahr sei der Speicher in Rehden um diese Zeit noch zu rund 87 Prozent gefüllt gewesen, sagte Sebastian Bleschke von der Initiative Erdgasspeicher, in der die großen Speicherunternehmen zusammengeschlossen sind. Auch der kleinere Speicher im ostfriesischen Jemgum ist laut Bleschke geringer gefüllt als im Vorjahr. Derzeit seien es knapp 64 Prozent, 2020 waren es um diese Zeit 92 Prozent.

Hohe Preise, wenig Anreiz zur Einspeicherung

Der geringe Füllstand hat Bleschke zufolge zwei Gründe. Zum einen wurden im April 2020 bereits Einspeicherungen vorgenommen, während in diesem Jahr zum selben Zeitpunkt noch Gas aus den Speichern entnommen wurde. In der Folge habe sich die Einspeicherung verzögert. Darüber hinaus hätten die hohen Gaspreise im Sommer "vergleichsweise geringe Anreize zur Einspeicherung gesetzt", so Bleschke. Auch der Speicher in Jemgum gehört über eine Tochterfirma zum russischen Konzern Gazprom.

Keine Engpässe in der ersten Winterhälfte

Bis November könne der Rückstand aber noch aufgeholt werden, meint der Fachmann. Die technischen Potenziale zur Einspeicherung seien ausreichend vorhanden. Eine Gefahr für die Versorgungssicherheit bestehe für die erste Winterhälfte derzeit jedenfalls nicht, sagt Bleschke. Er mahnt aber auch, dass Die Parteien müssten jetzt aber auch vorausschauend handeln, damit es so bleibt, mahnt er. Sonst könnte es bei Verbrauchsspitzen in der zweiten Winterhälfte zu Problemen kommen.

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