Stand: 04.02.2020 21:00 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Klöckners Landpartie: Erst Rosen - dann Buh-Rufe

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Zu Beginn gab es noch Rosen für die Ministerin - dann kühlte sich die Stimmung merklich ab.

Der Empfang war noch recht blumig: Körbeweise Rosen gab es zu Beginn für Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) am Dienstag in Wilsum (Grafschaft Bentheim). Mit den Blumen wollten die Landwirte nach langen Protestwochen auch einmal "Danke" sagen, so Henning Stegemann vom Zusammenschluss "Land schafft Verbindung". Das Dankeschön galt der Ministerin, die sich in Gesprächen mit dem Lebensmitteleinzelhandel für faire Preise in Supermärkten eingesetzt hatte. Das Präsent sollte aber auch gleichzeitig eine Aufforderung sein. Und damit war man in Wilsum dann auch ziemlich schnell beim Streit um die Düngemittelverordnung.

Blumiger Protest: Bauern empfangen Klöckner

Hallo Niedersachsen -

Beim Besuch von Bundesagrarministerin Klöckner in Wilsum brachten rund 1.000 Landwirte ihren Ärger über die Düngeverordnung auf ungewöhnliche Art zum Ausdruck - mit Blumen.

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Hunderte Traktoren rollen durch die Grafschaft

Klöckner war eigentlich vor Ort, um bei der sogenannten Anbautagung der Niedergrafschafter Genossenschaften über die Zukunft des Ackerbaus zu sprechen. Ihre Rede wurde auf einer großen Außenleinwand übertragen. Schon ab dem frühen Morgen rollten die Traktoren in den kleinen Ort: Etwa 1.500 Landwirte nutzten die Gelegenheit, um gegen die Verschärfung der Düngeregeln zu protestieren - 1.000 waren mit dem Trecker gekommen. Sie fordern, dass die Messwerte für Nitrat im Grundwasser überprüft werden. In bestimmten Gebieten soll der Einsatz von Dünger künftig drastisch gesenkt werden.

Landwirte in Existenzangst

Der Hintergrund: Deutschland verstößt seit Jahren bei der Nitratbelastung des Grundwassers gegen geltendes EU-Recht. Bereits 2017 wurde das Düngerecht in Deutschland eingeschränkt. Dass nun schon wieder Verschärfungen drohen, will den meisten Landwirten nicht in den Kopf. Aber die EU-Kommission hält die schärferen Regeln für unzureichend. Deutschland muss nachbessern und hat deshalb der Kommission vorgeschlagen, in besonders stark belasteten Regionen die Düngung um eben 20 Prozent unter dem Bedarf der Pflanzen zu reduzieren. Viele Landwirte fürchten deshalb Einbußen.

Klöckner: "Das ist dummes Zeug"

Notwendig sei ein repräsentatives Messstellen-Netz zur Erfassung der Nitratbelastung, sagte Klöckner in Wilsum. Viele Bundesländer müssten daher für ein differenzierteres Messstellen-Netz sorgen. Forderungen aus der Landwirtschaft, Vorgaben aus Brüssel zu ignorieren, könne sie nicht ernst nehmen. "Das ist dummes Zeug", sagte sie, begleitet von Buh-Rufen. "Dann nehmen Sie doch die Bauernmilliarde und bezahlen sie das damit", rief ein aufgebrachter Landwirt aus Oldenburg im Hinblick auf die drohenden EU-Strafen. Aber Klöckner bleibt dabei: Eine Strafzahlung lasse sich nicht vermitteln.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.02.2020 | 10:00 Uhr

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