Stand: 16.12.2018 12:09 Uhr

Bistum Osnabrück: Missbrauchs-Skandal um Priester

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Der Osnabrücker Dom. Im Bistum Osnabrück wurden am Sonnabend drei Fälle von Missbrauch bekannt, die ein heute 85-jähriger Priester begangen haben soll.

Das Bistum Osnabrück hat am Sonnabend drei Missbrauchsfälle aus den Achtziger und Neunziger Jahren bekannt gemacht. Ein heute 85-jähriger Priester soll damals drei Jugendliche aus der Gemeinde Merzen sexuell genötigt und missbraucht haben. Gerüchte über ein mögliches Fehlverhalten des Priesters hatte es schon lange gegeben - aber ihm war nichts nachzuweisen, weil es keine Zeugen gab. Dennoch versetzte ihn Bischof Franz-Josef Bode 1997 in den vorzeitigen Ruhestand. Erst 2017 meldeten sich nach Angaben des Bischofs schließlich drei Betroffene bei ihm und sagten ausführlich gegen den Priester aus - auch gegenüber der Stelle, die Missbrauchsfälle im Bistum aufklären soll.

Die Kirche von Osnabrück.

Neuer Missbrauchsfall im Bistum Osnabrück

Hallo Niedersachsen -

Das Bistum Osnabrück stellt sich einem neuen Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Es geht um drei Fälle aus den 80er- und 90er-Jahren in der Gemeinde Merzen.

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Priester gibt Anschuldigungen zu

Laut Bode leitete er alle Beschuldigungen umgehend der Staatsanwaltschaft zu. Die drei Fälle seien auch strafrechtlich relevant, aber verjährt, schreibt der Bischof in einem Brief an die Gemeinde. Er soll am Wochenende vor Ort in den Gottesdiensten verlesen werden. Im Anschluss können Mitarbeiter des Bistums befragt werden. Laut einer Pressemitteilung des Bistums hat auch die Glaubenskongregation in Rom die Schuld des Priesters festgestellt - auch, weil der Geistliche die gegen ihn erhobenen Vorwürfe inzwischen eingeräumt habe. Wegen seines Alters und seiner angeschlagenen Gesundheit sei aber von einem Verfahren vor einem kirchlichen Gericht abgesehen worden. Der Priester lebt seit langem in einem Osnabrücker Pflegeheim.

Bischof: Kirche hat sich schuldig gemacht

Nach Angaben von Bischof Bode sind dem Priester mehrere Sanktionen auferlegt worden: Demnach sind ihm alle öffentlichen Auftritte und liturgischen Handlungen untersagt. Er darf zudem seine frühere Pfarrei in Merzen nicht aufsuchen und er wird dort auch nicht kirchlich bestattet werden. Zudem stünden Vertreter des Bistums mit den Opfern des Pfarrers weiter in Kontakt. In seinem Brief an die Gemeinde betonte Bode, dass die Kirche auf dem weiten Feld des sexuellen Missbrauchs durch Priester, Diakone und Ordensangehörige schwere Fehler gemacht habe und schuldig geworden sei. Bisher waren im Bistum Osnabrück im Zusammenhang mit der Missbrauchs-Studie der Deutschen Bischofskonferenz 35 Beschuldigte und 68 Betroffene ermittelt worden.

"Struktur des Bösen"

Erst kürzlich sagte der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer in einem Interview, Machtmissbauch gehöre zur "DNA der Kirche" und sprach von "Strukturen des Bösen". Wilmer forderte eine Wahrheitskommission zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Im Bistum Hildesheim ermittelt die Staatsanwaltschaft zur Zeit in zwei Fällen wegen mutmaßlichen Missbrauchs. Aber auch die Evangelische Kirche beschäftigt sich aktuell mit dem Thema: Braunschweigs Landesbischof Meyns gab kürzlich die Zahl von über 100 Fällen sexuellen Missbrauchs bekannt, die es in den evangelischen Landeskirchen Niedersachsens seit 1950 gegeben habe. Meyns sprach den Betroffenen Anerkennungsleistungen und die Erstattung von Therapiekosten zu.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.12.2018 | 11:00 Uhr

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