Stand: 11.10.2018 15:27 Uhr

Bad Iburg: Ermittlungen gegen Schlachthof-Personal

Ein Schlachtbetrieb in Bad Iburg ist vom Landkreis Osnabrück vorerst stillgelegt worden. Der Verdacht: Es soll dort massive Verstöße gegen das Tierschutz- und Fleischhygienerecht gegeben haben. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg bestätigte am Donnerstag Ermittlungen gegen namentlich noch nicht bekannte Mitarbeiter des Schlachthofes. In diesem Zusammenhang seien am Mittwoch die Geschäfts- und Produktionsräume der Firma durchsucht worden. Die dabei gesicherten Beweismittel würden nun ausgewertet. Ein Anwalt des Unternehmens verwies in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" auf den amtlichen Tierarzt, der täglich anwesend sei und den Gesundheitszustand der Tiere kontrolliere.

Otte-Kinast: Gesellschaftliche Akzeptanz steht auf dem Spiel

Aufmerksam geworden waren die Behörden durch Filmaufnahmen, die eine Tierschutzorganisation zunächst dem Magazin stern und dann Landkreis und Landwirtschaftsministerium zugespielt hat. Auch diese Aufnahmen würden von Ermittlern nun ausgewertet. "Das sind fürchterliche Bilder, die niemand sehen will", sagte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) dem NDR Fernsehmagazin Hallo Niedersachsen. "Ich stelle mir die Frage, warum solche fürchterlichen Zustände nicht intern gemeldet wurden." Dazu habe jeder Mitarbeiter die Möglichkeit, auch anonym. "Ich verurteile es aufs Schärfste, dass niemand den Mut hatte, so etwas zu melden", sagte Otte-Kinast. Wer solche Zustände dulde, dürfe sich nicht wundern, wenn die Landwirtschaft Probleme mit der gesellschaftlichen Akzeptanz bekomme.

Behörden reagieren zügig auf drastische Bilder

Nach Angaben eines Landkreissprechers sind auf dem von "SOKO Tierschutz" gefilmten Material massive Verstöße gegen den Tierschutz zu sehen. Die Aufnahmen zeigen demnach, wie kaum transportfähige Rinder mit Seilwinden vom Anhänger gezogen werden. Man habe den Sachverhalt aufgrund der detaillierten Darstellungen noch am selben Abend an die Polizei weitergeleitet, hieß es aus dem Ministerium. Am Dienstagmorgen habe die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Landwirtschaftsstrafsachen in Oldenburg dann die Ermittlungen übernommen. Der betreffende Schlachthof ist nach Angaben des Landkreises zuvor nicht wegen Tierschutzverstößen aufgefallen.

Grünen-Politiker fordert Konsequenzen

"Es ist unvorstellbar und grausam, wie hier mitten in Deutschland auf einem Schlachthof mit Lebewesen umgegangen wird", sagte der Grünen-Abgeordnete Christian Meyer, bis 2017 selbst niedersächsischer Landwirtschaftsminister, im Gespräch mit Hallo Niedersachsen. "Offenbar schwer kranke, angeschlagene Rinder wurden dort anscheinend zu Wurst und Fleisch verarbeitet. Was mit den amtlichen Veterinären? Die müssten das ja eigentlich mitbekommen haben." Auch die Mitarbeiter seien offenbar monatelang untätig geblieben. Meyer fordert mehr Überwachung, möglicherweise gar durch Landesbeamte, sowie harte Konsequenzen und Strafen für die Verantwortlichen.

Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 11.10.2018 | 14:00 Uhr

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