Stand: 01.03.2019 11:31 Uhr

Wattenmeer: Brutbestand der Kornweihe akut bedroht

Ein Jungvogel während er Beringung - Norderney gehört zu den letzten Brutgebieten der Kornweihe.

Im niedersächsischen Wattenmeer ist der Bestand der Kornweihe offenbar stark bedroht. Forscher und Tierschützer haben in einer Langzeitstudie festgestellt, dass immer weniger Greifvögel dieser seltenen Art in den Schutzgebieten an der Nordsee brüten - auf deutscher wie auf niederländischer Seite. Die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg hat die Studie zum Internationalen Tag des Artenschutzes am 3. März vorgestellt.

Kornweihe: Brutbestand steht vor dem Aus

Seit 2009 arbeiten Forscher in der Arbeitsgruppe Landwirtschaftsökologie der Universität an dem Projekt und beobachten Bestand und Brutverhalten der Kornweihe im Wattenmeer. Wichtigste Erkenntnisse: Das Wattenmeer bietet optimale Bedingungen für die Bodenbrüter. Es gebe ein mannigfaltiges Nahrungsangebot, zudem profitierten andere gefährdete Tier- und Pflanzenarten von der Kornweihe, heißt es. Die Zahl der Nachkommen habe mit ein bis zwei flüggefähigen Jungvögeln pro Paar seit 2009 ein konstantes Niveau. An dieser Stelle kommt das Aber: Die Zahl der Tiere sinkt offenbar dennoch drastisch. "Entscheidend für das Vorkommen der Kornweihen im Wattenmeer ist ihr Überleben außerhalb der Brutzeit", sagte Peter Sudbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, einem Kooperationspartner der Universität Oldenburg. "Umso bedauerlicher ist es, wenn im Frühjahr immer weniger zu uns zurückkommen." Der Brutbestand stehe "vor dem Erlöschen".

Wissenschaftler wollen Rückgang international erforschen

Die Bedingungen für den Rückgang wurden in dieser Studie nicht erforscht. Es wird vermutet, dass störungsarmer und nahrungsreicher Lebensraum europaweit durch Flächenverdichtung und Umwandlung in Ackerland weitgehend zerstört wird. "Letztendlich gilt es, die Ursachen des Bestandsrückgangs schnell zu ermitteln, um auf internationaler Ebene Gegenmaßnahmen ergreifen zu können", sagte Nadine Knipping aus dem Forscherteam der Universität Oldenburg. Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) sagte: "Natur- und Artenschutz kann nicht an Ländergrenzen haltmachen."

Das Forschungsprojekt zum Schutz der Kornweihe

Vor dem Hintergrund der nationalen Verantwortung für den Schutz und Erhalt der Kornweihen wurde ab 2009 das Forschungsprojekt in der Arbeitsgruppe Landschaftsökologie der Universität Oldenburg initiiert und in Kooperation mit dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und niederländischen Forscherkollegen durchgeführt. Neben der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) förderten die Niedersächsische Ornithologische Vereinigung und die Niedersächsische Wattenmeerstiftung das Vorhaben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.03.2019 | 10:00 Uhr

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