Stand: 09.09.2020 14:55 Uhr

Tierwohl: Geflügelbranche fordert Unterstützung

Küken hocken eng beieinander. © dpa Foto: Jens Büttner
Laut einem Gesetzentwurf soll das Kükentöten ab Ende 2021 nicht mehr erlaubt sein. (Themenbild)

Die Geflügelbranche in Niedersachsen will mehr Unterstützung von der Politik - und fordert finanzielle Hilfen, auch von den Verbrauchern. "Frust und Existenzängste nehmen in der Praxis besorgniserregend zu. Dazu hat die Politik mit immer neuen und nur nationalen Auflagen aktiv beigetragen", heißt es in einem Positionspapier zur Mitgliederversammlung des Landesverbandes der Geflügelwirtschaft am Mittwoch in Dötlingen (Landkreis Oldenburg). Der Verband befürchtet, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Branche verloren geht, wenn die deutsche Politik bei den internationalen Handelsabkommen auf europäische und globale Standards setze.

"Tierwohlprämie mit einer Laufzeit von mindestens 20 Jahren"

Für tierfreundlichere Haltungsbedingungen seien finanzielle Hilfen nötig - etwa eine zweckgebundene Tierwohlprämie mit einer Laufzeit von mindestens 20 Jahren, die die Erstattung von Mehrkosten langfristig sichere und Planbarkeit biete. "Als Finanzierungsinstrument kommt eine von den Verbrauchern zu leistende maßvolle Tierwohlabgabe in Frage", schreibt der Geflügelverband. Und: "Wir müssen mehr denn je durch Kommunikation Vertrauen wieder herstellen und halten, dafür Geld in die Hand nehmen und über alle zur Verfügung stehenden Kanäle glaubwürdige Informationen verbreiten", heißt es weiter. Die Geflügelwirtschaft hält allein in Niedersachsen mehr als 100 Millionen Tiere.

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Ende des Kükentötens in Sicht

Unterdessen zeichnet sich ab: Das massenhafte Töten männlicher Küken in der Legehennenzucht soll ab Ende 2021 verboten werden. Einen entsprechenden Gesetzentwurf hat Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch vorgestellt. Laut ihrem Ministerium gibt es alternative Verfahren, das Geschlecht im Ei zu bestimmen und männliche Küken gar nicht erst schlüpfen zu lassen.

Pro Jahr werden 45 Millionen Küken getötet

Jedes Jahr werden rund 45 Millionen frisch geschlüpfte Küken getötet, weil sie das falsche Geschlecht haben. Die Tiere gehören zu einer Geflügellinie, die auf das Legen von Eiern gezüchtet wurde. Während die Weibchen als Legehennen begehrte Nutztiere sind, hat die auf Effizienz orientierte Geflügelbranche für die männlichen Tiere keine Verwendung. Die Tiere werden geschreddert und vergast.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.09.2020 | 15:00 Uhr

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