Stand: 29.10.2018 12:16 Uhr

Richter im Högel-Prozess: Klarheit für Angehörige

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Sebastian Bührmann ist Vorsitzender Richter im Fall Högel.

Kaum jemand kennt den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel so gut wie Sebastian Bührmann. Schließlich war er derjenige, der als Vorsitzender Richter bereits die ersten beiden Prozesse gegen den mehrfachen Mörder geleitet hat. Das dritte Verfahren am Landgericht Oldenburg wird wohl auch das größte in Bührmanns Laufbahn: Högel ist wegen 100-fachen Mordes angeklagt. Den 100. Fall hatte er erst kürzlich gestanden.

Der Haupteingang der Weser-Ems-Halle in Oldenburg. © NDR

Högel-Prozess: Gericht informiert über Prozedere

Niedersachsen 18.00 -

Ab Ende Oktober sitzt der ehemalige Krankenpfleger Niels Högel auf der Anklagebank. Er muss sich für weitere 100 Morde verantworten. 120 Nebenkläger treten bei dem Mammut-Prozess auf.

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Bührmann leitete sogenannten Holzklotz-Prozess

Der 54-jährige Bührmann, der seit zehn Jahren die Schwurgerichtskammer am Landgericht leitet, hat Erfahrung mit aufsehenerregenden Prozessen. Einer seiner ersten war vor rund zehn Jahren der gegen Nikolai H., der einen Holzklotz von einer Autobahnbrücke auf die A 29 warf und eine Frau tötete. Das Geschoss durchschlug die Frontscheibe des Autos, in dem auch der Ehemann und die beiden Kinder des Opfers saßen. Die Kammer um Bührmann verurteilte den Angeklagten wegen heimtückischen Mordes und Mordversuchs in drei Fällen zu lebenslanger Haft.

Der Richter im Högel-Prozess

Sebastian Bührmann hat in Osnabrück Rechtswissenschaften studiert, arbeitete unter anderem als Assessor im Oberlandesgericht Bezirk Oldenburg, an den Landgerichten Aurich und Osnabrück sowie den Amtsgerichten Meppen und Papenburg. Seit 1999 ist der Jurist Richter am Landgericht Oldenburg, 2007 wurde er nach Gerichtsangaben Vorsitzender der Vierten Großen Strafkammer. Ein Jahr später übernahm er den Vorsitz der Schwurgerichtskammer. Der 54-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Richter will im Högel-Prozess Schicksale klären

Im aktuellen Mammutprozess geht es Bührmann nach eigener Aussage nicht darum, Högel so lange wie möglich wegzusperren. Das sei gar nicht möglich. Nach deutschem Recht könne ein Angeklagter nur einmal zu lebenslanger Haft verurteilt werden, weil er nur eine Lebenszeit habe. Die Motivation des gebürtigen Oldenburgers ist es, den Angehörigen der Opfer Klarheit über deren Schicksal zu verschaffen. Der Jurist betont aber auch, dass Högel bis zu seiner Verurteilung als unschuldig zu gelten habe.

Größter Mordprozess seit Kriegsende

Der Prozess gegen Högel wird eine immense Herausforderung, auch für einen erfahrenen Juristen. Immerhin handelt es sich um den größten Mordprozess in Deutschland seit Kriegsende. Es sind 120 Nebenkläger zugelassen und das öffentliche Interesse ist groß. Deshalb wurde die Verhandlung vom Gerichtsgebäude in die Weser-Ems-Halle verlegt. Bislang sind 24. Verhandlungstermine angesetzt.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 30.10.2018 | 19:30 Uhr

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