Stand: 04.01.2019 14:48 Uhr

"MSC Zoe": Fernseher auf Borkum angespült

Jetzt ist Ladung des im Sturm havarierten Megafrachters "MSC Zoe" auch auf Borkum angekommen: Am Freitagmorgen gegen 8.30 Uhr wurden 30 Fernseher angespült - völlig zerstört und zum Teil verbogen. Strandläufer der Kurverwaltung hatten die Geräte entdeckt, die auf etwa anderthalb Kilometer verteilt am Südstrand der Insel lagen. Inzwischen haben Mitarbeiter der Kurverwaltung das Treibgut allerdings eingesammelt.

Warnung für Borkum

Für Borkum, vor dessen Küste bereits am Donnerstag mehrere Container gesichtet worden waren, gilt eine besondere Warnung. "Offene Container oder freigesetzte Stoffe" sollten nicht berührt werden, teilte der Landkreis Leer mit. Sollte jemand eine Box entdecken, möge er umgehend die Rettungsleitstelle anrufen, heißt es.

Lies will Peilsender für Gefahrgut

Nach der Havarie der "MSC Zoe" fordert Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) Konsequenzen. Im Gespräch mit dem NDR schlug er vor, zumindest Gefahrgut-Container mit Sendern auszustatten, um sie bei einer Havarie leichter zu finden. Umweltschäden könnten so vermieden werden. Außerdem müsse herausgefunden werden, ob die Positionierung der Gefahrgut-Behälter auf dem Frachter sicherheitstechnisch oder logistisch optimiert sei. "Jetzt gilt es zu klären, ob die Container an Bord ausreichend gesichert waren und ob technisches oder menschliches Versagen vorlag", sagte Lies. Ebenso die Frage, warum so viele Container zu beiden Seiten Schiffes heruntergekippt sind. "Das ist sehr untypisch, was da passiert ist", so Lies.

277 Container fielen vom Frachter

Inzwischen ist laut Lies klar, dass es sich um 277 Container handelt, die der Frachter verloren hat. Das habe erst die Auswertung der Luftaufnahmen ergeben. Bis dato war unklar, wie viele Stahlbehälter genau ins Meer gefallen waren.

"MSC Zoe": Container-Ladung wird Strandgut

Ostfriesische Inseln werden erneut abgesucht

In der Nordsee, nordwestlich von Borkum, geht unterdessen die Suche nach den verlorenen gegangen Containern weiter. Heute soll dabei auch das Spezialschiff "Wega" des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie helfen, das vor allem für Wracksucharbeiten eingesetzt wird und über spezielle Echolote und Sonaranlagen verfügt. Denn von den bisher zehn in deutschen Gewässern gesichteten Containern konnte nur einer gesichert werden. Die neun übrigen seien gesunken, teilte das Havariekommando mit. Auch die Strände der Inseln, Borkum, Juist und Norderney sollen heute erneut abgesucht werden, so das Havariekommando in Cuxhaven. Ein Hubschrauber der Bundespolizei und ein Ölüberwachungsflugzeug aus Nordholz sind dafür im Einsatz.

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Bisher keine Spur von Gefahrgut-Containern

Der Frachter "MSC Zoe" hatte am Dienstag auf dem Weg vom portugiesischen Sines nach Bremerhaven in stürmischer See rund 270 Container - unter ihnen auch solche, die Fässer mit gefährlichem Dibenzoylperoxid geladen haben, das zur Kunststoffherstellung verwendet wird. "Bisher können wir bestätigen, dass drei Container mit Gefahrgut über Bord gegangen sind", sagte ein Sprecher des Havariekommandos am Donnerstag. Diese Container seien noch nicht gefunden worden.

An den Stränden der niederländischen Inseln Vlieland, Terschelling und Ameland wurden dagegen seit Mittwoch mehr als 20 Container und Gegenstände wie Kühlschränke, Spielzeug, Schuhe, OP-Kleidung und auch ein Sack mit giftigem Pulver angespült.

Wie viele Container gingen über Bord?

Auch für den Schiffsverkehr stellen die Container ein Risiko dar, das Ausmaß lässt sich für das Havariekommando aber schwer abschätzen. Im Wasser treibende Boxen könnten kleine Schiffe beschädigen. Möglicherweise seien zudem Container noch miteinander verbunden und könnten damit auch ein Risiko für große Schiffe sein. Weiterhin ist unklar, wie viele Container genau über Bord der "MSC Zoe" gegangen sind. Die endgültige Zahl wird voraussichtlich erst in ein paar Tagen feststehen, wie das Havariekommando mitteilte. Die "MSC Zoe" hatte in der Nacht zu Donnerstag in ihrem Zielhafen Bremerhaven festgemacht und wird dort untersucht. Die Wasserschutzpolizei in Wilhelmshaven ermittelt, wie es zu dem Unfall kommen konnte. Laut Havariekommando seien etwa Materialermüdung oder fehlerhafte Laschung, also Mängel bei der Ladungssicherung, vorstellbar.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.01.2019 | 08:00 Uhr

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