Stand: 19.07.2018 16:59 Uhr

Langeoog: Urlauber behindern Rettungswagen

Behinderungen durch Gaffer, blockierte Rettungsgassen, Beschimpfungen: Einsatzkräfte von Feuerwehren und Polizei klagen wiederholt über Probleme und Beschimpfungen bei der Rettung. Und auch auf der beschaulichen Nordseeinsel Langeoog tritt dieses Phänomen offenbar immer häufiger auf. Rettungssanitäter und Ärzte berichten dem NDR über Beschimpfungen und Behinderungen auf der Ostfriesischen Insel. Oft habe dies mit dieselbetriebenen Einsatzfahrzeugen zu tun.

Rettungskräfte sollen Autofreiheit beachten

Nach Angaben von Alexander Heise, seit zehn Jahren Notfallsanitäter auf Langeoog, ist es im Vergleich zu den Vorjahren "gefühlt" häufiger vorgekommen, dass Urlauber die Helfer nicht vorbei fahren lassen wollten, weil die Insel doch autofrei sei. Das Gros der Menschen sei zwar dankbar und würde sie unterstützen. Allerdings käme es immer wieder mal vor, dass ihnen auf der Fahrt zu einem Einsatzort die Straße nicht freigemacht wird. "So etwas bleibt dann natürlich auch im Gedächtnis", sagte Heise dem NDR Regionalmagazin "Hallo Niedersachsen".

Zettel hinter dem Scheibenwischer

DRK-Kollegin Kerstin Preßler hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Seit sieben Jahren ist sie auf der Insel im Einsatz, doch "von Jahr zu Jahr" habe das Unverständnis zugenommen. Dass die Autofreiheit der Insel für manche Stein des Anstoßes ist, haben Heise und Preßler nun Schwarz auf Weiß: An einem Rettungswagen hinterließen Unbekannte erst vor wenigen Tagen einen Zettel - mit dem Hinweis, bitte nicht mit einem Diesel- oder Benzinauto auf der Insel zu fahren, weil diese doch autofrei sei. "Da konnten wir auch nur noch mit dem Kopf schütteln", sagte Preßler dem NDR.

Inselarzt: Menschen verkennen Ernst der Lage

Die Helfer sind geschockt und haben kein Verständnis für das Verhalten mancher Urlauber. Doch warum reagieren diese so? Heinz-Joachim Koller, seit 16 Jahren Inselarzt auf Langeoog, glaubt dass in den Fällen wohl die Toleranz gegenüber den Rettungskräften gesunken sei, Langeoog würde sich in der Form nicht vom Festland unterscheiden. Koller geht davon aus, dass keiner der Menschen den Rettungsdienst bewusst behindern wolle, aber sie würden den Ernst der Lage verkennen. "Jeder denkt nur noch an sich und nicht daran, dass jemand anderes Hilfe braucht. Das ist aber - Gottseidank - nur bei einer Minderheit der Fall", sagte Koller.

Helfer: E-Auto ist noch keine Alternative

Ist der Einsatz von dieselbetriebenen Fahrzeugen eventuell Stein des Anstoßes - und würden Elektroautos das Unverständnis senken? Für Rettungssanitäter Heise kommen Elektro-Autos derzeit "allenfalls theoretisch" in Frage. Angesichts von möglichen Einsatzlagen, bei denen etwa der Strom nicht funktioniere, sei man mit dieselgetriebenen Fahrzeuge "einfach auf der sicheren Seite".

Vorfälle auch auf Juist und Wangerooge

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Die Helfer betonen allesamt, dass es sich um einige, wenige Fälle handele. Doch die Vorwürfe treffen - und frustrieren sie. Auch auf anderen ostfriesischen Inseln berichten Rettungskräfte über ähnlichen Vorfälle - und Erfahrungen. So etwa auf Juist: Nach Angaben der Rettungssanitäterin Kathrin Kühnel gegenüber der Nordwest-Zeitung (Donnerstag) gebe es auch dort Beschwerden, wenn die Einsatzkräfte ihre dieselbetriebenen Fahrzeuge nutzen. Die Vorwürfe frustrierten sie, sagte Kühnel der Zeitung. Es gebe keine andere Möglichkeit, als mit diesen Fahrzeugen zu fahren, betonte die Helferin des Deutschen Roten Kreuz (DRK). Mit Beschwerden konfrontiert werden auch Helfer auf Wangerooge. Oft würden Touristen monieren, die Einsatzkräfte würden zu schnell fahren, sagte Rettungsassistent Helmut Weber der "NWZ". Er glaubt , dass die Urlauber das Tempo falsch einschätzen würden. Auf der ansonsten autofreien Insel würde denen bereits 30 Stundenkilometer schnell vorkommen, so Weber.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.07.2018 | 06:00 Uhr

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