Stand: 13.12.2019 21:25 Uhr  - Hallo Niedersachsen

Högel-Morde: Anklagen gegen Führungskräfte wanken

Es ist wohl die größte Mordserie der deutschen Nachkriegsgeschichte: Der ehemalige Krankenpfleger Niels Högel ist in vier Prozessen wegen 88-fachen Mordes, zweifachen Mordversuchs und versuchten Totschlags verurteilt worden. Seine Taten beging der heute 43 Jahre alte Mann in den Jahren 1999 bis 2005 in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst. Die tödlichen Medikamente verabreichte Högel ohne die Unterstützung von Mittätern. Es stellt sich bei einer derartigen Serie aber die Frage nach der Schuld des Systems. Nach der Schuld derer, die nicht rechtzeitig eingegriffen haben. Nach der Schuld der Kollegen und Krankenhausmitarbeiter, die weggesehen haben. Gefühlt scheint die gegeben bei all den Hinweisen, die offenbar ignoriert wurden. Doch gilt das auch juristisch? Dazu hat die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Oldenburg am Freitag eine vorläufige rechtliche Einschätzung abgegeben: die Anklagen gegen fünf Krankenhausmitarbeiter halten zu Teilen den gesetzlichen Maßstäben nicht stand.

Högel-Morde: Vielleicht keine weiteren Prozesse

Hallo Niedersachsen -

Im Fall um die Morde des Pflegers Niels Högel könnte es sein, dass eine Anklage gegen weitere Krankenhausmitarbeiter abgelehnt wird. Das gab das Landgericht Oldenburg bekannt.

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Staatsanwaltschaft sieht Beihilfe zum Totschlag

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat gegen fünf zum Teil ehemalige leitende Angestellte des Klinikums Oldenburg Anklage wegen des Verdachts auf Totschlag durch Unterlassung erhoben. In einer vorläufigen Bewertung - über die Zulassung ist noch nicht entschieden - hat die Kammer festgestellt, dass "aufgrund der Rechtslage allenfalls eine teilweise Zulassung der Anklage" in Betracht komme, heißt es in einer Mitteilung des Gerichts von Freitag. Diese bezöge sich auch ausschließlich auf Taten im Klinikum Oldenburg und auf den Tatbestand "Beihilfe durch Unterlassung zum Totschlag".

Gericht sieht Beihilfe durch Unterlassung

Die Anklagebehörde beschuldigt die damaligen Mitarbeiter, Kollegen und Führungskräfte, nicht gehandelt zu haben, als es offensichtliche Alarmzeichen für ein verbrecherisches Handeln des Serienmörders Högel gab. Wegen einer Untätigkeit könne aber nur derjenige bestraft werden, dessen Aufgabe es war, einen Schaden zu verhindern. Dies sei bei den Angeschuldigten nicht der Fall, erläuterte der Gerichtssprecher. Daher bewerte das Gericht die Anklagen vorläufig als sogenannte Beihilfehandlungen. Es sei nicht nachzuweisen, dass sie weitere Tötungen durch Högel "positiv oder auch nur gleichgültig" zur Kenntnis genommen hätten.

Fünf Oldenburger Führungskräfte im Fokus

Konkret betrifft das einen ehemaligen Geschäftsführer, einen ehemaligen ärztlichen Leiter sowie die Pflegedienstleitung einer kardiologischen Intensivstation, einen anästhesiologischen Chefarzt sowie eine ehemalige Pflegedirektorin. Sie sollen nach Ansicht der Staatsanwaltschaft schuldhaft verantwortlich sein für 60 Todesfälle in Oldenburg und drei in Delmenhorst. Dazu heißt es in der Gerichtsmitteilung weiter: "Bezogen auf den ärztlichen Leiter der Anästhesiestation, dem ausschließlich Todesfälle aus dem Klinikum Delmenhorst zur Last gelegt werden, könnte möglicherweise sogar gänzlich von einer Eröffnung des Hauptverfahrens abzusehen sein."

Bisher führte der Staat vier Prozesse gegen Högel

Seit 2005 wurden vier zum Teil Aufsehen erregende Prozesse gegen den Patientenmörder Niels Högel geführt. In den Jahren 2019, 2015, 2008 und 2005 wurde der Serienmörder zweimal zu lebenslänglicher Haft, jeweils mit der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld, sowie einmal zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis und einem lebenslangen Berufsverbot verurteilt.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 13.12.2019 | 19:30 Uhr

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