Stand: 11.11.2019 20:13 Uhr

Enercon: Job-Abbau für Aurich eine "Katastrophe"

Bild vergrößern
Horst Feddermann (parteilos), als Bürgermeister von Aurich erst seit vorigem Donnerstag im Amt, fürchtet massive finanzielle Probleme für seine Stadt.

Nach der Ankündigung eines massiven Stellenabbaus beim Windkraft-Anlagenbauer Enercon wollen das Unternehmen, Politik und Gewerkschaften gemeinsam nach Auswegen aus der Krise suchen. Große finanzielle Probleme für seine Stadt befürchtet der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos). Der Stellenabbau sei "für Aurich eine Katastrophe", sagte Feddermann am Montag NDR 1 Niedersachsen. Die Wirtschaftsentwicklung der Stadt beruhe "zum großen Teil" auf Enercon. Allein an dem Standort in Ostfriesland sollen insgesamt 1.500 Jobs gestrichen werden, noch einmal so viele sollen es in Magdeburg sein.

Videos
05:43
Hallo Niedersachsen

Windrad-Hersteller Enercon baut 3.000 Stellen ab

08.11.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Der Windkraftanlagenbauer Enercon muss sich der nächsten Radikalkur unterziehen: Bis zu 3.000 Jobs fallen weg. Wie konnte das passieren? Energieminister Olaf Lies im Gespräch. Video (05:43 min)

Auch Auswirkungen auf die Kaufkraft

Genaue Zahlen könne er noch nicht nennen, so Aurichs Bürgermeister. Derzeit werde der neue Haushalt aufgestellt und noch ermittelt, mit welchen Ausfällen die Stadt rechnen muss. Im vergangenen Jahr verzeichnete Aurich bereits einen Einbruch von mehr als 30 Millionen Euro bei den Steuereinnahmen, unter anderem weil Enercon als größter Gewerbesteuerzahler deutlich weniger abführte. Feddermann verwies darauf, dass der angekündigte Stellenabbau sich nicht nur auf die Gewerbesteuer negativ auswirken werde. Die sinkende Kaufkraft bekämen auch kleinere Betrieben vom Bäcker bis zum Kfz-Gewerbe zu spüren, sagte Feddermann.

IG Metall: 24 Monate Kurzarbeit

Die IG Metall forderte am Montag von Enercon, den Stellenabbau noch einmal zu überdenken. Gemeinsames Ziel müsse es sein, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten, etwa durch Kurzarbeit, so IG Metall Bezirksleiter Meinhard Geiken. Er forderte die Bundesregierung auf, "mit einer Verlängerung der Kurzarbeit von zwölf auf 24 Monate kurzfristig eine Möglichkeit zu schaffen, um die Beschäftigten zu halten". Enercon-Sprecher Felix Rehwald kündigte zu Wochenbeginn gegenüber NDR 1 Niedersachsen an, dass das Unternehmen sich moralisch verantwortlich fühle und Sozialpläne ermöglichen wolle.

Bundesregierung soll Klimapaket überarbeiten

Der SPD Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff nannte die drohenden Werksschließungen in einem offenen Brief "dramatisch für den Landkreis Aurich und die gesamte Region Ostfriesland". Er fordert von der Bundesregierung zehn konkrete Maßnahmen, um der Windkraftbranche insgesamt zu helfen. So müsse unter anderem die Abstandsregel für neu zu bauende Windräder aus dem Klimapaket gestrichen werden, sagte Saathoff.

Weitere Informationen

Job-Abbau: Enercon plant Gespräche mit Politikern

10.11.2019 08:00 Uhr

Angesichts der geplanten Stellenstreichungen bei Enercon sind Gespräche mit Landes- und Bundespolitikern verabredet. In Aurich will der Windanlagenbauer 1.500 Jobs abbauen. mehr

Bei Enercon steht massiver Stellenabbau bevor

08.11.2019 17:00 Uhr

Beim Windanlagenbauer Enercon kommt es erneut zu einem massiven Stellenabbau. In Aurich fallen 1.500 Jobs weg. Niedersachsens Ministerpräsident Weil will um die Arbeitsplätze kämpfen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.11.2019 | 18:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

04:03
Hallo Niedersachsen
02:19
Hallo Niedersachsen
03:13
Hallo Niedersachsen