Stand: 17.01.2020 15:30 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Ausgebootet: TKMS-Konstrukteure bangen um Jobs

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Am Standort von Thyssen-Krupp-Marine-Systems in Emden bangen rund 200 Mitarbeiter um ihre Jobs. (Archivbild)

Nach der Entscheidung der Bunderegierung vier neue Kriegsschiffe unter niederländischer Federführung bauen zu lassen, könnte der Standort von Thyssen-Krupp-Marine-Systems (TKMS) in Emden vor dem Aus stehen. Das berichtet NDR 1 Niedersachsen. Betroffen sind rund 200 Konstrukteure des Konzerns. Der Standort sollte schon vor zwei Jahren geschlossen werden. Nach großen Protesten gab es aber eine Gnadenfrist bis Ende 2020. Die weitere Zukunft des Standortes hatte der Konzern nämlich an eine Beteiligung am Milliardenauftrag gekoppelt. Den Zuschlag für den Bau von vier Mehrzweckkampfschiffen (MKS 180) hatte Anfang der Woche jedoch die niederländische Damen-Werft erhalten. Auch die Kieler Werft German Naval Yards ging leer aus.

Zweckoptimismus in Emden

In Emden übt man sich derweil in Zweckoptimismus. Sowohl die IG Metall als auch Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) sagen unisono, dass man für einen solchen Auftrag einen Zusammenschluss aller Werften brauche. Auf diesem Wege könne TKMS doch noch ins Boot geholt werden. Die Mitarbeiter der Marine-Sparte von Thyssen-Krupp selbst sagen, dass man aktuell gut ausgelastet sei. Aktuell werde an Fregatten für Ägypten gearbeitet, zudem sei ein Auftrag aus Brasilien im Gespräch. Die TKMS-Mitarbeiter haben zudem die Hoffnung, dass sie schwer zu ersetzende Fachkräfte sind. Von der Landesregierung gab es derweil Rückendeckung für die Belegschaft. Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sagte, dass die Arbeitsplätze "vorerst" sicher seien. Das hätte ihm der TKMS-Vorstand bestätigt.

Bau bei Blohm und Voss

Dass man jetzt aber als bisheriger Lieferant der deutschen Marine nicht an einem Auftrag aus Deutschland beteiligt werde, sei ein schlechtes Signal für den internationalen Markt, sagt man in Emden. Erschwerend komme hinzu, dass es bei TKMS auch Gedankenspiele gibt, sich komplett vom Überwasserschiffbau zu trennen. Gänzlich werden die deutschen Werftstandorte beim Bau der neuen Mehrzweckkampfschiffe nicht ausgebootet. Die Kriegsschiffe sollen nämlich bei der Lürssen-Tochter Blohm und Voss in Hamburg gebaut werden. Auch der Konzern Thales aus Wilhelmshaven sitzt mit im Boot. Das Unternehmen ist zuständig für die Technologie der neuen Marine-Schiffe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 17.01.2020 | 17:00 Uhr

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