Stand: 03.07.2020 08:21 Uhr

Airbus-Krise: Werk in Stade verliert 350 Jobs

Ein Airbus-Techniker arbeitet in einem Rumpfsegment in der neuen Strukturmontage der Airbus A320 Familie in Hangar 245 im Airbus Werk in Finkenwerder. © picture alliance/dpa Foto: Christian Charisius
Wie geht es weiter bei Airbus in Norddeutschland? Viele Jobs sind in Gefahr. (Archiv)

Schlechte Nachrichten für die Belegschaft von Airbus - vor allem für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Norddeutschland. Wie der Konzern am Donnerstag dem Betriebsrat mitteilte, sollen deutschlandweit 5.100 Jobs gestrichen werden. Nach Informationen von NDR 90.3 sollen die Standorte im Norden 3.160 Stellen verlieren. Grund für die Streichungen ist der Geschäftseinbruch durch die Corona-Krise. In dessen Folge haben bereits 1.100 Leiharbeiter ihre Beschäftigung verloren. Zudem sind Zulieferer wie Premium Aerotech von der Krise betroffen und haben Stellen abgebaut.

VIDEO: Wie geht es für die Airbus-Beschäftigten weiter? (3 Min)

Stade soll 350 Jobs verlieren

Im Airbus-Werk in Stade sollen 350 der rund 2.000 Stellen wegfallen. Niedersachsen ist zudem auch von Stellenstreichungen in Hamburg und Bremen betroffen, weil viele Beschäftigte aus dem Umland in die Hansestädte pendeln. In Hamburg-Finkenwerder, mit 14.000 Beschäftigten das Airbus-Werk mit der größten Belegschaft, sollen in den kommenden Jahren 2.260 Arbeitsplätze wegfallen. In Bremen werden 440 Jobs gestrichen. Airbus-Betriebsräte wollen betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. Geprüft werden sollen Vorruhestands- und Kurzarbeitsregelungen sowie flexible Arbeitszeitmodelle. Werksschließungen sind aktuell nicht im Gespräch.

Rettung von Jobs durch verlängertes Kurzarbeitergeld?

Airbus macht derweil Druck auf die Bundesregierung. Wenn das Kurzarbeitergeld auf zwei Jahre verlängert werde, könne Airbus in Deutschland 1.500 Jobs in der Verkehrsflugzeugsparte erhalten, sagte Produktionschef Michael Schöllhorn am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Medienvertretern. Staatliche Forschungsgelder für die Entwicklung umweltfreundlicherer Flugzeuge könnten weitere 500 Stellen sichern, so Schöllhorn.

46.000 Mitarbeiter in Deutschland

Die Pläne sollen bis Sommer 2021 umgesetzt werden. Airbus beschäftigt in Deutschland nach eigenen Angaben etwa 46.000 Mitarbeiter an fast 30 Standorten. Der Konzern erwartet, dass sich der Luftverkehr nicht vor 2023 von der Corona-Krise erholen wird. Eventuell werde erst 2025 wieder das Niveau von vor Corona erreicht sein. Im Stader Airbus-Werk ist derzeit fast die Hälfte der 2.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit.

IG Metall warnt vor Kahlschlag

Die Gewerkschaft IG Metall warnte angesichts der geplanten Streichungen vor einem Kahlschlag. "Weder Airbus noch die gesamte Luftfahrtbranche können sich angesichts einer solchen Herausforderung den Abbau Tausender Fachkräfte leisten, die noch vor der Krise händeringend gesucht wurden", sagte ein Sprecher. Vom Konzernbetriebsrat hieß es: "Beim geplanten Stellenabbau geht es nicht um die Bewältigung der aktuellen Krise, sondern um den schon lange geplanten Umbau des Unternehmens."

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Ein Mitarbeiter beobachtet zwei Roboter in der Strukturmontage der Airbus A320-Familie im Airbus Werk in Finkenwerder. © picture alliance/dpa Foto: Christian Charisius

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.07.2020 | 17:00 Uhr

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