Stand: 20.01.2020 07:13 Uhr

Abgelenkt: Polizei filmt weiter Lkw-Fahrer

Ein Polizist wertet auf einem Tablet eine Filmaufnahme aus. © NDR Foto: David Römhild
Polizisten filmen Lkw-Fahrer auf der Autobahn mithilfe einer Kamera auf dem Dach. So können sie Verstöße nachweisen.

Lastwagenfahrer, die das Ende eines Staus übersehen und auf den Vordermann auffahren - regelmäßig kommt es so zu schweren, auch tödlichen Unfällen. Ist ein Lkw-Fahrer nur kurz unaufmerksam, weil er zum Beispiel aufs Handy blickt, kann das auf der Autobahn dramatische Folgen haben: In fünf Sekunden fährt ein Lkw bei 90 Kilometern pro Stunde 125 Meter weit. Die Polizeidirektion Oldenburg hat im vergangenen Jahr ein Projekt namens "Ablenkung im Führerhaus" gestartet: In Zivilfahrzeugen sind Beamte auf den Autobahnen 1, 27, 28 und 29 unterwegs, auf dem Dach eine Kamera, die Lkw-Fahrer am Steuer aufnimmt. Das Projekt war Mitte des Jahres zunächst bis zum Jahresende verlängert worden - und da es sich nach Einschätzung der Polizei bewährt hat, geht es auch 2020 weiter.

VIDEO: Handy am Steuer: Polizei setzt Kontrollen fort (3 Min)

1.648 Verstöße im ersten Projekt-Jahr

"Allein was die beweissichere Ahndung von Verstößen betrifft, ist das Projekt ein Erfolg", teilte Polizeisprecher Christopher Deeken dem NDR Niedersachsen auf Anfrage mit. "Der 'Bedarf' an dieser besonderen Verkehrsüberwachung zeigt sich auch anhand der bislang festgestellten Zahl der Verstöße auf unseren Autobahnen." 1.648 solcher Verstöße haben die Polizisten demnach seit Projektbeginn Anfang Februar 2019 bis Ende des Jahres festgestellt. Dabei geht es immer wieder um das eine: Der Fahrer guckt aufs Smartphone statt auf die Straße.

Rechts das Smartphone, links die Zigarette

Fast ausschließlich handele es sich um "Handy-Verstöße", so Deeken. Telefongespräche seien dabei aber selten: "In den meisten dieser Fälle waren die Fahrer mit dem Tippen von Nachrichten beschäftigt oder durch das Schauen von Filmen abgelenkt." Ein Fahrer habe über einen Zeitraum von knapp sechs Minuten immer wieder aufs Handy geschaut und so mehrfach den Verkehr nicht im Blick gehabt. Und einer verhielt sich, als würde er zu Hause auf dem Sofa sitzen und nicht am Steuer eines Fahrzeugs: "Es gab einen Fall, bei dem der Fahrer seinen linken Fuß hochgelegt, in der rechten Hand ein Smartphone und in der linken Hand eine Zigarette hatte."

Fahrer meist einsichtig

Werden Fahrer erwischt, zeigen sie sich dem Sprecher zufolge meist einsichtig. Die meisten wollten die Aufzeichnung ihres Verhaltens gar nicht mehr anschauen und gäben zu, einen Fehler gemacht zu haben.

Bald in ganz Niedersachsen?

Um den Erfolg des Projekts tatsächlich einzuschätzen, sei es noch zu früh, erklärte Deeken weiter. "Die Zahl der Verstöße und die Anzahl der Verkehrsunfälle bieten zwar Anhaltspunkte, für eine aussagekräftige Bewertung des Projekts bedarf es allerdings einer sorgfältigen Analyse. Zudem ist der bisherige Zeitraum hierfür noch viel zu kurz." Jetzt wird das Projekt erst einmal unbefristet fortgeführt. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, es auf ganz Niedersachsen auszuweiten. Die Entscheidung darüber sei aber noch nicht gefallen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.01.2020 | 08:00 Uhr

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