Nach drei Jahren: Vonovia saniert Schimmelwohnungen in Lüneburg

Stand: 22.08.2022 07:32 Uhr

Seit drei Jahren besitzt der Wohnungskonzern Vonovia 700 Wohnungen im Lüneburger Stadtteil Kaltenmoor. Mieter klagen schon lange über Schimmel. Nun passiert - ein bisschen - etwas.

von Marlene Kukral

Mit einem chlorfreien Anti-Schimmelspray behandelt der Vonovia-Handwerker eine Ecke im Wohnzimmer von Sabine Schlupkothen. Schwarzschimmel hat sich unter der Tapete breit gemacht. Eine Messung ergibt: Es ist wohl ein oberflächlicher Schaden, der gut in den Griff zu bekommen ist. "Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit dafür, dass Schimmel nie wieder auftritt. Aber wir behandeln ihn fachmännisch so, dass er von unserer Seite aus nicht wieder kommt", erklärt Vonovia-Pressesprecher Christoph Schwarz. Wichtig sei natürlich, dass die Mieter auch richtig lüften und heizen. Sonst habe Schimmel ein leichtes Spiel.

Mieter beklagen marode Bausubstanz

Er könne kaum richtig lüften und heizen, sagt Michael Bugenhagen. Er wohnt seit 15 Jahren in Kaltenmoor. Schimmel sei schon lange ein Problem. "Mit chemischen Mitteln den Schimmel aus den Wänden zu bekommen, das kann hier nicht funktionieren", so Bugenhagen. In seiner Wohnung zeigen sich bereits wieder die ersten schwarzen Schimmelflecken. Auch hier hatten Vonovia-Handwerker vor wenigen Wochen den Schimmel behandelt. Bugenhagen sieht den Grund für das Problem in der maroden Bausubstanz. Die Häuser sind in den 1960er Jahren gebaut worden, seitdem habe niemand die Fassaden saniert.

Vonovia prüfte erst, nachdem die Stadt Lüneburg darum bat

In den vergangenen Monaten hat Vonovia eine Bestandsaufnahme aller Wohnungen gemacht. Normalerweise mache das Unternehmen so etwas nicht, sagt der Pressesprecher. Aber hier sei Vonovia auf eine Bitte der Stadt Lüneburg eingegangen. Zusammen mit einem städtischen Vertreter und Mieterberatern der AWO hat der Konzern alle 700 Wohnungen auf Mängel überprüft. "In ungefähr 40 Fällen haben wir eine Schimmelproblematik festgestellt", so Schwarz. Ansonsten seien eher kleine Mängel wie tropfende Wasserhähne oder knarzende Türen aufgefallen. "Der Schimmel hat oberste Priorität, den haben wir zum großen Teil bereits behoben", sagt Schwarz. Auch die kleineren Mängel sollen angegangen werden.

Stadt will lieber komplette Sanierung statt Flickenteppich aus Reparaturen

Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (Grüne) würde sich eine grundlegende Sanierung der Gebäude wünschen. Ein Flickenteppich, indem mal hier, mal da saniert werde, das sei keine gute Lösung. Der Lüneburger Stadtteil Kaltenmoor gilt als Sanierungsgebiet, damit könne die Stadt auch Fördergelder aus einem Städtebauförderprogramm beantragen. Kalisch denkt bereits über einen Modernisierungsvertrag nach. "Dann würde Vonovia vertraglich zusichern, konkrete Dinge zu sanieren, beispielsweise Fenster", so Kalisch. Die Stadt würde hingegen zusichern, die Maßnahmen mit Fördergeldern zu unterstützen. Über Städtebaufördermittel denkt auch Vonovia nach. Man sei im engen Austausch mit der Stadt Lüneburg, teilt der Sprecher mit.

Mieter sind skeptisch

Die Mieter in Kaltenmoor begegnen der offensiven Herangehensweise von Vonovia skeptisch. Inge Preußer vermutet, dass der Konzern nur handelt, weil Stadt und Medien Druck gemacht haben. "Das hält nicht lange an", sagt sie. Auch die Mieterberater der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Lüneburg hören immer wieder Klagen, dass sich die Mieter von Vonovia nicht ernst genommen fühlen. Zuzana Valickova war bei der Bestandsaufnahme in den Wohnungen dabei. Schimmel sei nur eines von vielen Problemen, sagt die Mieterberaterin. "Ich sehe die undichten Fenster und die undichten Terassentüren tatsächlich als ein großes Problem. Gerade, weil die Energiekosten steigen." Auch Valickova fordert deshalb eine grundlegende Sanierung der Wohnblöcke.

Mehr als acht Millionen Euro bereits investiert

Wie es langfristig mit den Wohnblöcken weitergeht, dafür gebe es bei Vonovia noch keinen konkreten Plan. "Erst kümmern wir uns um den Schimmel, dann die Elektrik und irgendwann müssen wir auch an die Fassaden", sagt Sprecher Schwarz. Seit 2019 gehören Vonovia die Wohnblöcke in Lüneburg. Seitdem hat der Konzern nach eigenen Angaben mehr als acht Millionen Euro in Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen investiert. Alte Fenster würden beispielsweise erneuert werden, wenn ein Mieterwechsel ansteht. "Zieht ein Mieter aus, gehen wir in die Wohnung und modernisieren diese komplett", so Schwarz. Auch in die Anlagen hat der Konzern investiert, beispielsweise neue Spielplätze gebaut. "So viel wie zuletzt ist hier im Stadtteil schon lange nicht passiert", sagt ein Mieter, der anonym bleiben will. Solch positive Stimmen gegenüber Vonovia hört man in Kaltenmoor allerdings nur wenig.

NDR hatte bereits 2020 über Probleme mit Schimmel berichtet

Viele Mieter befürchten, dass die Schimmelsanierungen nun eine medienwirksame Aktion sind und nicht lange anhalten. "Zuletzt gab es mehrere Presseberichte, auf die Vonovia reagieren musste", sagt auch Mieterberaterin Valickova. Auch der NDR hatte bereits im Dezember 2020 über die Schimmelproblematik in den Häusern berichtet. Für den Großkonzern Vonovia ist all die Skepsis aber auch eine Chance, um zu beweisen, dass er es ernst meint, und die Probleme nicht nur kurzfristig in die Hand nimmt.

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Ein Hochhausblock im Lüneburger Stadtteil Kaltenmoor im Besitz der Vonovia. © NDR Foto: Alexander Geyer

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