Stand: 21.11.2017 18:31 Uhr

KZ-Überlebende wollen AfD nicht im Stiftungsrat

Bild vergrößern
Die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten ist für das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen zuständig. (Archivbild)

Überlebende des früheren Konzentrationslagers Bergen-Belsen (Landkreis Celle) haben große Sorge, dass demnächst ein Mitglied der AfD im Stiftungsrat für die niedersächsischen Gedenkstätten sitzen könnte. Nach dem Stiftungsgesetz darf jede Landtagsfraktion einen Vertreter in den Stiftungsrat entsenden. Die Überlebendenverbände fordern daher nun eine Änderung der Statuten.

Sorge vor Verharmlosung des Holocausts

Die Stiftung habe seit der Landtagswahl etwa ein halbes Dutzend Briefe von Verbänden aus Israel, Frankreich und den USA erhalten, sagte Geschäftsführer Jens-Christian Wagner. "Wir müssen diese Sorgen sehr ernst nehmen." Die Überlebenden würden befürchten, dass Personen in den Stiftungsrat rücken könnten, die den Holocaust verharmlosen oder leugnen und revisionistische oder antisemitische Meinungen vertreten. Auch Wagner selbst bereite diese Vorstellung Bauschmerzen. "Wer den deutschen 'Schuldkult' beklagt oder eine 'erinnerungspolitische Wende um 180 Grad fordert, hat in den Gremien der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten nichts verloren", so der Historiker.

Zwei Entwürfe zur Änderung des Stiftungsgesetzes

Die scheidende Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) äußerte als Vorsitzendes des Stiftungsrates Verständnis für die Bedenken der Überlebenden. Aus ihrem Haus kommen zwei Entwürfe zur Änderung des Stiftungsgesetzes. In beiden Fällen würde die AfD keinen Platz in dem Gremium bekommen. Der neu gewählte Landtag müsse nun darüber befinden, ob die Zusammensetzung des Stiftungsrates geändert werden solle, so Heiligenstadt.

FDP gegen Ausschluss der AfD

Björn Försterling, der für die FDP im Stiftungsrat sitzt, hält dagegen nichts davon, die AfD per Gesetz auszuschließen. Man dürfe die Partei nicht in eine Opferrolle drängen. Sollte ein AfD-Mitglied Teil des Rates werden, müsse man ihm genau auf die Finger schauen. Die Fraktionschefin der AfD im Landtag, Dana Guth, kann den Ärger nicht verstehen. Sie spricht von unbegründeten Vorurteilen. "In unserer Fraktion gibt es keine Antisemiten", so Guth.

Mehr als 70.000 Tote in Bergen-Belsen

Die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten ist Trägerin der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen und der Gedenkstätte in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel. Sie begleitet zudem die Förderung weiterer Gedenkstätten für die Opfer des Nazi-Regimes im Land. In Bergen-Belsen fanden zwischen 1940 und 1945 mehr als 52.000 KZ-Häftlinge und rund 20.000 Kriegsgefangene den Tod.

Weitere Informationen

Holocaust - Das beispiellose Verbrechen

Mehr als sechs Millionen Juden wurden während der NS-Zeit von Deutschen systematisch ermordet. Jedes Jahr am 27. Januar erinnert ein Gedenktag an alle Opfer des Nationalsozialismus. mehr

Die Handschuhe von Bergen-Belsen

Ausgerechnet ein Paar bunter Handschuhe erinnert in Bergen-Belsen an das Grauen des Lagers. Sie gehörten der damals zehnjährigen Yvonne Koch, die vor genau 70 Jahren befreit wurde. (16.04.2015) mehr

Mit einer App durchs ehemalige KZ

Besucher der Gedenkstätte Bergen-Belsen können sich per Tablet über das Gelände leiten lassen. Unterwegs können sie Lagepläne und Rekonstruktionen anschauen. Ein Praxistest. (08.02.2015) mehr

Bergen-Belsen: Erinnerung und Mahnung

Im damaligen Konzentrationslager in der Heide starben Zehntausende Menschen, darunter Anne Frank. Seit 1952 erinnert in Bergen-Belsen eine Gedenkstätte an die Opfer. (18.12.2014) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.11.2017 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

04:01
Hallo Niedersachsen

Fall Högel: Viele Versäumnisse

20.11.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
02:36
Hallo Niedersachsen

Mann wegen Aufruf zu Whistleblowing verurteilt

20.11.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:58
Hallo Niedersachsen

Rot-Schwarz: Quereinsteiger gegen Lehrermangel

20.11.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen