Stand: 07.05.2019 20:28 Uhr

Göhrde-Morde: Polizei stellt Asservate ins Netz

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Aus der Asservatenkammer: Jürgen Schubbert, Leiter der Ermittlungsgruppe Göhrde, und sein Stellvertreter Thilo Speich mit einem sichergestellten Teil eines Revolvers.

Im Fall des mutmaßlichen Serienmörders Kurt-Werner Wichmann prüft die Polizei Lüneburg mittlerweile mögliche Verbindungen zu 236 Taten. Dazu gehören Tötungsdelikte und Vergewaltigungen, wie die Polizei auf einer Pressekonferenz am Dienstag sagte. Alle denkbaren Zusammenhänge werden demnach untersucht, wenn es Parallelen gibt.

Verdächtiger seit 1993 tot

Der ehemalige Friedhofsgärtner Wichmann gilt als Verantwortlicher für die zwei Doppelmorde in der Göhrde, einem Waldgebiet im Landkreis Lüchow-Dannenberg, aus dem Jahr 1989. Wichmann starb bereits 1993. Im Herbst 2017 wurde unter einer Garage auf dem früheren Grundstück des Mannes in Adendorf (Landkreis Lüneburg) zudem die Leiche der seit 1989 verschwundenen Birgit M. gefunden. Die Schwester des ehemaligen Hamburger Polizeipräsidenten Wolfgang Sielaff war erschossen worden. Für ihren Tod soll auch Wichmann verantwortlich sein.

Polizei stellt Auswahl von Asservaten ins Netz

Am Dienstag stellte die Polizei zig Asservate aus dem früheren Haus des Mannes ins Internet - darunter Schmuck, Handtaschen, Schuhe und Äxte. Die Gegenstände waren bei Suchmaßnahmen gesichert worden. 217 von ihnen wurden an das Landeskriminalamt in Hannover geschickt. Erste Gutachten würden bereits vorliegen, sagte Jürgen Schubbert, der die zuständige Ermittlungsgruppe leitet. Sein Team wurde im April auf acht Mitarbeiter aufgestockt. "Bisher hat sich aus diesen Rückmeldungen kein entscheidender Hinweis ergeben", sagte Schubbert. Die Gegenstände würden noch ausgewertet. Wer etwas im Netz wiedererkennt, möge sich melden.

"Cold Cases"-Einheit in Lüneburg

Im vergangenen Oktober waren auch zwei Schreckschusswaffen entdeckt worden. Mindestens eine von ihnen wurde so umgebaut, dass aus dem Revolver mit abgetrenntem Lauf anschließend Kleinkalibermunition verschossen werden konnte. Beim Vergleich mit vorhandenen Geschossen gab es allerdings keinen Treffer, wie die Polizei mitteilte. Die Beamten können allerdings nicht ausschließen, dass Wichmann die Waffe doch benutzt hatte. Ein Bewegungsbild des Mannes wurde erstellt, der längere Zeit auch in Karlsruhe lebte. Eine neu eingerichtete Einheit "Cold Case" soll sich künftig in Lüneburg mit seit Jahren nicht geklärten Fällen im Nordosten Niedersachsens beschäftigen. Die temporäre Ermittlungsgruppe Göhrde solle später in dem neuen Sachgebiet aufgehen, sagte Dezernatsleiter Thomas Ludwig-Dücomy.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 07.05.2019 | 16:00 Uhr

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